TERMINOLOGIE

Urban Art

Unter „Urban Art“, fällt alles, was an „Kunst“ im öffentlichen Raum sichtbar ist. Es ist also der Oberbegriff für Streetart, Mural, Graffiti, Stencil, Paste-up & Co. Los ging es Anfang der 20-er Jahre in Mexiko mit den ersten Murals, später rechnet man die „Art Brut“ und auch das „Action Painting“ zur urbanen Kunst. Ins Bewusstsein der Allgemeinheit rückt die Urban Art aber vermutlich erst über die Verbreitung von Graffiti. Später kamen andere Formen dazu. Bislang bewegte sich die „Urban Art“ abseits der etablierten Kunst der Akademien und Galerien, in letzter Zeit findet man aber mehr und mehr Aktive dieser Szene auf Ausstellungen und Messen vertreten.

Streetart | Street Art

Ich verwende auch hier den englischen Begriff, da im Deutschen „Straßenkunst“ etwas anderes, nämlich eine darstellende Kunst im öffentlichen Raum, meint. Mit „Streetart“ sind dagegen all die kleinen und großen Hinterlassenschaften meist bildlicher Art gemeint, die auf Wände, Stromkästen, Laternenpfähle etc. gemalt, geklebt, gesprüht oder sonstwie angebracht werden. Sie können auch gestrickt (Urban Knitting) oder projeziert sein. Der Begriff „Streetart“ hat sich seit 2005 etabliert und wird mit „Urban Art“ meist synonym verwendet.

Tag | Tagging

Beim Tagging wird ein Name, ein Kürzel oder ein Symbol einfarbig mit Sprühdose oder Marker im öffentlichen Raum hinterlassen. Hat mit „Kunst“ eigentlich nichts zu tun und sei hier nur als Ursprung von Graffiti erwähnt.

Graffiti

Nach den ersten Taggings 1960 in Philadelphia dauerte es nicht lange, bis sich Sprayer gegenseitig mit großflächigen Schriftzügen und Gemälden überboten. Stadtverwaltungen, Hausbesitzer, öffentlicher Nah- und Fernverkehr waren not amused und sind es bis heute nicht. Eine gewisse Entkriminalisierung erfährt das Sprayen erst in den 2000-er Jahren mit ersten Festivals, die sich der neuen Kunstform widmen. Dennoch bleiben Graffiti im öffentlichen Raum strafbar.

Reverse Graffiti | Kunstputzen

Meist mit Hilfe von Schablonen werden Teile einer Wand nicht bemalt oder besprüht, sondern (mit Hochdruckreiniger) gereinigt, so dass ein Negativbild entsteht. Obwohl hierbei nichts beschädigt oder „verunstaltet“, sondern sogar gesäubert wird, wird Reverse Graffiti wie Graffiti selbst oft als „Sachbeschädigung“ wahrgenommen und kann verfolgt werden. Auch beim Reverse Graffiti ist die Werbeindustrie, wie bei anderen Streetart-Formen, schon auf den Geschmack gekommen und hat erste Motive auf Wände „geputzt“.

Stencil | Pochoir

Mit Hilfe von vorgeschnittenen Schablonen aus Pappe oder Folie können auch komplexere Bildmotive einfarbig oder mit mehreren Farben gesprayt und – vor allem – mehrfach wiederholt werden. Das Verfahren an sich ist uralt, zur Kunstform erhoben wurde es aber erst in den 70-er Jahren. Der bekannteste Vertreter der Stencil-Technik in der Streetart ist Banksy, wobei er prominente Vorgänger wie z.B. den Franzosen Blek le Rat hat.

Sticker | Klebies

Aufkleber, die im öffentlichen Raum (illegal) angebracht werden. Besonders in Großstädten findet man kaum ein Straßenschild, einen Mülleimer oder Stromkasten, der nicht beklebt ist. Die äußerst langlebige Klebeflut reicht von kleinen Kunstwerken, politischen Statments über schlichte Gags bis hin zu Werbebotschaften.

Beschlagung

Plakatwände und andere kommerzielle Werbeflächen werden (vorübergehend und partiell) durch das Aufnageln von Holzteilen unkenntlich gemacht. Es bleiben Teile der ursprünglichen Werbung sichtbar, die nun eine andere Aussage haben bzw. ergibt die Beschlagung selbst oft neue Aussagen. „Plakat-Pirat“ Parzival führt seit 1992 solche Beschlagungen durch. „Beschlagung“ ist eine Form von Adbusting.

Adbusting

Adbuster verändern Werbeflächen oder Straßenschilder durch das teilweise Übermalen oder Überschreiben. Oft sind es politische oder konsumkritische Botschaften, die so entstehen. Adbusting gibt es vermutlich schon so lange, wie es Plakatwände gibt.

Urban Knitting | Guerilla Stricken | Yarnbombing

Eine kurzlebige Erscheinung in der Streetart-Szene: 2010/11 wurden auch in Deutschlands Städten plötzlich Dinge im öffentlichen Raum „bestrickt“: Laternenpfähle und Ampeln bekamen einen puscheligen „Schutz“ aus Wolle, gehäkelte Blumen fanden sich an Schildern. Schon wieder out.

Paste-up

Ein Paste-up ist eigentlich ein Plakat, ein Motiv-Druck, der oft „in Form“ geschnitten und mit Kleister aufgeklebt wurde. Wie wildes Plakatieren stellt auch das Anbringen von Kunst via Paste-ups eine Sachbeschädigung dar, was die Künstler aber nicht davon abhält, auch Großformatiges auf Mauern anzubringen. Paste-ups erleben gerade einen regelrechten Boom und werden immer farbiger. Sie sind oft im Siebdruckverfahren hergestellt. Wind, Wetter und Menschenhänden ausgesetzt sind sie allerdings von vergänglicher Schönheit.

Mural | Muralismo

In den 20-er Jahren in Mexiko entstand diese Kunstform nach der Revolution, wo das erste Mal in großem Stil ganze Wände mit politischen oder sozialkritischen Motiven bemalt wurden. Wandgemälde gab es natürlich schon vorher, aber in Mexiko vergab die Regierung gezielt Flächen und Aufträge an Künstler. Die Gemälde sollten auch von dem Teil der Bevölkerung verstanden werden, der nicht Lesen und Schreiben konnte. In ganz Südamerika sind Murals sehr verbreitet, inzwischen findet man sie aber auf der ganzen Welt. Viele haben nach wie vor eine Botschaft, neurdings ist aber auch die Werbeindustrie auf den Zug aufgesprungen und lässt gezielt Wandgemälde im Streetart-Stil erstellen.