Stromkästen: Süß oder gesund

16. Juni 2016 at 19:15

Hausfassade in Wuppertal-Barmen mit als Helgoländer Waffel bemaltem Stromkasten davor

Wuppertal kommt einem vielleicht nicht sofort in den Sinn, wenn man an Streetart denkt. Dabei hat die knapp 350.000 Einwohner zählende Stadt neben Schwebebahn, Industriearchitektur und 4.500 Baudenkmälern überraschend viel Kunst und Kultur zu bieten. Und es gibt eine vielfältige Graffiti-Szene. Deren Werke entdeckt man zum Beispiel bei einer Fahrt mit der über 13,3 km größtenteils der Wupper folgenden Schwebebahnstrecke.

Im Stadtteil Barmen findet der Streetart-Interessierte besonders Witziges. Wie in den meisten Städten waren auch hier die Stromkästen in den Straßen beschmiert, getagt, beklebt. Und wie in einigen anderen Städten hat man die verunstalteten grauen Dinger offiziell zur Verschönerung freigegeben. Martin Heuwold und Ognjen Pavic bemalten bislang mindestens 22 der Kästen und gestalteten sie zu Süßigkeiten, Obst und Gemüse um. Da gibt es natürlich gelungene und weniger gelungene Beispiele. Ich mag besonders die, die auf den ersten Blick schwer zu erkennen sind, weil eine eckige Tomate oder eine gewürfelte Erdbeere nun mal Seltenheitswert haben.

Als Obst und Gemüse bemalte Stromkästen in Wuppertal-Barmen

Als Süßigkeiten bemalte Stromkästen in Wuppertal-Barmen

Neben Butterkeks, Waffeleis, Hanuta und Donauwellen-Kuchen als süße Verführer gibt es Ananas, Melone und sogar einen schweizer Käse zu sehen. „Die Kunst, aus Stromkästen Obst zu machen“, titelte denn auch die Westdeutsche Zeitung letztes Jahr. Sogar ein, nicht in diese Serie passender, als rosa Schweinchen bemalter Kasten findet sich in Barmen. Alle Kästen kann man bequem bei einem Rundgang durch die Fußgängerzone und die davon abgehenden Wege finden. Aber bitte nicht anbeißen!

Lesen und lesen lassen

4. Januar 2016 at 17:16

Mural und bemalter Stromkasten zum Thema "Lesen" im Panthaleonsviertel, Köln

Das Panthaleonsviertel ist ein kleines und trotz Innenstadtlage recht verschlafenes Viertel. Man findet mehrere Schulen auf engstem Raum, aber in der Hauptsache ist es Wohnviertel. Benannt ist es nach der dort befindlichen prächtigen romanischen Kirche auf dem Gelände eines ehemaligen Benediktinerklosters. In der Krypta sind noch Reste einer römischen Villa zu finden. Gewohnt wird hier also schon seit mindestens 2000 Jahren.

So etwas wie „Streetart“ fand hier lange Zeit nicht statt. Zu verschlafen, zu wenig „hip“. Lediglich die immer großflächiger werdenden Schmierereien an privaten Hauswänden, an Hauseingängen und Garagentoren haben hier, wie an vielen Stellen der Stadt, im letzten Jahr sehr stark zugenommen. Sehr zum Ärger der Bewohner.

Bemaltes Garagentor zum Thema "Lesen" im Panthaleonsviertel, KölnUnd dann war da plötzlich dieser originell bemalte Stromkasten, dann das große Wandgemälde und zuletzt kam das Garagentor (kleines Foto) dazu, das noch ein wenig unfertig aussieht. Alle drei Werke befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander und alle drei befassen sich mit dem Thema „Bücher“ bzw. „Lesen“. Das kann kein Zufall sein.

Leider konnte ich noch nicht ermitteln, was es mit den Gemälden auf sich hat, wer sie beauftragt oder angefertigt hat. Oder warum. Denn es gibt hier weder eine Buchhandlung noch eine Bücherei. Falls da jemand mehr weiß: Immer her mit den Informationen!