Straßenkatzen

20. Juni 2016 at 22:28

Lebensechtes Stencil einer Katze von Meow im Belgischen Viertel, Köln

Hatte ich am 3. April in meinem Blog-Beitrag „Für mehr Cat Content!“ noch moniert, dass es in Köln – im Gegensatz zu Städten wie Leipzig – so wenig gute Katzenmotive in der Streetart gibt, wurde ich am Wochenende durch dieses wunderschöne Stencil im Belgischen Viertel überrascht. Eine perfekt naturalistisch mit zwei Farben gesprühte getigerte Samtpfote, die den Passanten nachzuschauen scheint.

Mit „Meow!“ signiert der junge Kölner Künstler, von dem dieses Motiv stammt, seine Werke. Im Galerie-Café Kunstbruder kann man schon länger Motive von Meow! sehen und auch in der Verkaufsausstellung „WallStreet“ im Museum für verwandte Kunst (siehe Blog-Eintrag vom 17. Juni) ist er mit Paste-ups vertreten. Es sind nicht nur Katzen und katzenköpfige Wesen, die Meow! dort zeigt, aber diese begeistern mich am meisten.

Das Bild unten links stammt ebenfalls von Meow!, beim rechten Motiv ist mir der Urheber unbekannt. Der ebenso simpel wie wirkungsvoll gestaltete Schattenriss bringt Passanten vor einem Geschäft auf den Ringen zum Schmunzeln.

Stencil mit Katzenkopf von Meow und Katze und Maus als Schattenriss (Urheber unbekannt)

Auf Pinterest gibt’s eine schön gemachte Sammlung von internationalen Katzenmotiven in der Streetart. Anschauenswert für Pfotenfreunde!

Tanz in den Mai, Baby!

30. April 2016 at 12:17

Stencil "Tanz Baby" am Sudermanplatz

Großes Foto: Stencil am Sudermanplatz.

Großes Paste-up von Joiny: "Loss m'r danze" in EhrenfeldKleines Bild: Großes (altes) Paste-up von Joiny mit der Aufforderung „Loss m’r danze“. Daneben ein kleineres Paste-up von Toiz. Beide haben sich jetzt schon über mehrere Jahre an wettergeschützter Stelle in Ehrenfeld erhalten.

Für mehr Cat Content!

3. April 2016 at 13:48

Was Katzenmotive in der Streetart angeht, hat Köln noch echten Nachholbedarf. In anderen Städten gibt es zauberhafte Beispiele mit Samtpfoten in verschiedensten Techniken.
Wandgemälde mit Katze in der Piusstraße
Umso mehr freut mich dieses Beipiel, das ich gestern in der Piusstraße auf einer Hauswand entdeckte. Auch wenn das Tier unglücklich scheint, es fordert zum „viva la vida!“ auf, also dazu, das Leben zu feiern. Ob sich der Maler oder die Malerin hier auf den Song von Coldplay bezieht oder doch eher auf die Künstlerin Frida Kahlo (die wiederum von Coldplay zitiert wurde), ist nicht bekannt. Frida Kahlo jedenfalls porträtierte sich selbst gern zusammen mit Tieren. Ihr letztes Gemäle zeigt dagegen Wassermelonen, ein in ihrer Heimat Mexiko verbreitetes wie symbolisches Motiv. Acht Tage vor ihrem Tod 1954 schrieb sie noch „viva la vida“ darauf.

Frida Kahlo selbst ist übrigens ein weit verbreitetes Motiv in der Streetart, besonders im Muralismo Südamerikas.

Mit der weinenden Katze aus der Piusstraße wurde, wie man gut erkennen kann, ein zerstörtes Paste-up übermalt. Interessant ist, dass hier kein Sprayer am Werk war, sondern augenscheinlich mit Pinsel und Farbe gearbeitet wurde.

Stencil auf einem Garagentor in Köln: Katze und MopsWeniger interpretationswürdig, aber dennoch zeigenswert ist dieses per Stencil-Technik bemalte Garagentor in der Aquinostraße. Die Rassekatze und der Mops scheinen sich allerdings nicht sehr viel zu sagen zu haben …

Kleine Großstadt-Nager

26. März 2016 at 18:45

Stencil mit zwei Ratten und einer Kakerlake in Düsseldorf 2016

Ratten sind in unserer Welt seit Jahrhunderten sehr negativ besetzte Tiere. Sie gelten als Schädlinge, aber auch als schlau und anpassungsfähig. Man bringt sie mit den üblen Seiten der Großstadt in Verbindung und einer geradezu sagenhaften Widerstandskraft. Viele Menschen haben Angst vor Ratten, ekeln sich gar vor ihnen. Andere finden sie niedlich. So gesehen sind sie das ideale Motiv für die Streetart.

Wer hat’s erfunden? Blek le Rat sprühte Anfang der 80-er Jahre die ersten Ratten bzw. deren Schatten auf Häuserwände (siehe auch Blog-Eintrag vom 23.3.2016). Und viele taten es ihm seither gleich. Ich habe ein paar aktuelle eigene Foto-Beispiele zusammengestellt.

Bild oben: Ratten im Stil von Banksy auf einer Hauswand in Düsseldorfs oder sogar Deutschlands buntester Straße, der Kiefernstraße im Stadtteil Flingern. Über diese Straße werde ich bei Gelegenheit mal ausführlicher berichten.

Abbildungen unten: Zwei Stencils in der Erfurter Altstadt. Besonders das rechte Motiv erinnert stark an die Ratten von Stencil-Papst Blek le Rat, wurde aber vermutlich von einem Nachahmer gesprüht.

2 Stencils mit Mäusen oder Ratten in Erfurt 2016Abbildungen unten: Links eine Comic-artig gesprühte Ratte im Zugang zum Museum für Verwandte Kunst im Belgischen Viertel, Köln. Die Ratte in der rechten Abbildung mit Anzug, britischer Melone und Schirm fand ich in Leipzig-Plagwitz. Vielleicht stutzt jetzt der eine oder andere Betrachter. Ja, dieses Motiv kennt man genau so von Banksy. Banksy in Leipzig? Möglich ist das; im Buch „Banksy, Wall and Piece“ wird dieses Ratten-Motiv seitenverkehrt auf ein Straßenschild gesprüht gezeigt. Im Hintergrund des Fotos sieht man den Berliner Fernsehturm. Aber egal, ob es sich hier in Leipzig nun um ein Original oder um einen Nachahmer handelt: Besonders putzig finde ich die Interaktion der Street Artists. Die offensichtlich nachträglich als Paste-up angebrachte Katze auf dem Skateboard scheint zu der „schwebenden“ Ratte aufzuschauen.

Stencils mit Ratten-Motiven in Köln und Leipzig und ein Paste-up mit Katze 2016Abbildungen unten: Links ein etwas komplexeres, zweifarbiges Stencil, das man in Bonns Macke-Viertel finden kann. In diesem nach August Macke benannten Teil der Bonner Innenstadt findet man besonders viel Streetart, in der Hauptsache großflächige und ziemlich aufwändige Graffiti. Leider fehlt links ein Stück des Nager-Motivs. In der Mitte der Bildleiste sieh man ein komplett bespraytes Gebäude im Volksgarten in der Kölner Südstadt. Rechts ein von der Ratte Rémy aus dem Pixar-Film „Ratatouille“ inspirierter freundlicher Geselle. Man findet dieses Motiv an mehreren Stromkästen im Kölner Griechenmarktviertel. Die Rémy-Stencils scheinen schon mehrere Jahre alt zu sein und sind ziemlich verblasst. (Ich habe das Foto digital aufgehübscht, damit man das Motiv besser erkennen kann.)Stencils und Graffiti mit Mäusen oder Ratten in Bonn und Köln 2016

 

Stencils only in Düsseldorf

27. Februar 2016 at 10:35

„Stencils only“ heißt eine neue Ausstellung, die gestern in der Düsseldorfer Galerie Pretty Portal eröffnete und noch bis zum 25.3. zu sehen ist. Gezeigt werden in Stencil-Techik hergestellte Kunstwerke von ICY & SOT, EMESS, FAKE und L.E.T.

(An den Wochenenden leider geschlossen.)

Eine Liebesgeschichte

23. Februar 2016 at 18:15

Diese Streetart-Geschichte spielt mal nicht in Köln und es ist auch kein Kölner Künstler beteiligt. Aber ich möchte sie gern erzählen, weil sie so schön ist.

Einer der ersten Graffiti-Künstler in Frankreich und Vater der Stencil-Technik ist Xavier Prou, besser bekannt als „Blek le Rat„. 20 Jahre vor Banksy machte er genau das, wofür Banksy heute weltberühmt ist: Er sprühte schon vor über 30 Jahren Stencils an Wände. Die schwarzen Ratten, die Banksy (und nachfolgend auch andere Street Artists) auf Hauswände aufbringen, sind eine Hommage an Blek le Rat, der sie seit 1981 sprüht. „Rat“ als Anagramm von „aRt“.

Spezialisiert hat sich Prou auf lebensgroße, aussagekräftige Stencils. Nach einer Verhaftung wegen Sachbeschädigung 1991 arbeitete er vermehrt mit vorgefertigten Paste-ups und heute sprüht er nur noch legal. Eins seiner berühmt gewordenen Motive ist die „Frau mit Kind“, die an Caravaggios Madonna erinnert, ein tanzendes Paar und seit 2005 auch eine Serie von Obdachlosen und Bettlern, die er liegend, stehend oder auf dem Gehweg sitzend abbildet, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Stencil von Blek le Rat, Originalzustand 1991. Foto: Sybille Prou1991 sprühte Xavier „Blek le Rat“ Prou seine „Frau mit Kind“ im Nachwende-Leipzig. Daneben schrieb er „Pour Sybille“. Jene Sybille aus Leipzig war seinerzeit seine Freundin und bald darauf seine Ehefrau. Sie haben einen inzwischen erwachsenen Sohn, der übrigens im Ruhrgebiet studiert. Diese Liebesgeschichte ging also gut aus. Das Stencil in Leipzig aber wurde bald vergessen, da es über 20 Jahre lang immer wieder unter neuen wild plakatierten Flächen verwand. Erst 2012, als das Gebäude in der Leipziger Südvorstadt saniert werden sollte, kam es unter Schichten von Beklebungen wieder hervor. Aber wäre damals nicht zufällig Maxi Kretzschmar an den Bauarbeiten vorbei gekommen, wäre es der Sanierung zum Opfer gefallen. Die junge Frau erinnerte sich nämlich an das Werk von Blek le Rat, als es noch neu war. Als Kind war sie auf ihrem Schulweg immer daran vorbei gelaufen. Dass sie heute selbst Kunst- und Kulturmanagerin ist und den Schatz, der da zutage kam, gleich einordnen konnte, ist ein weiterer wunderbarer Zufall (Fotos: Zustand während der Bauarbeiten 2012, Dank an Maxi Kretzschmar).
Das Stencil von Blek le Rat nach seiner Wiederentdeckung 2012. Fotos: Maxi Kretzschmar
Maxi Kretzschmar setzte alles in Bewegung, um das Bild zu erhalten. Mehr noch: Xavier Prou erneuerte das etwas verblichene Werk 2012 und 2013 wurde es ganz offiziell unter Denkmalschutz gestellt. Eine Plakette wurde angebracht und eine Plexiglasscheibe soll seither das Bild schützen.

Nun kann man einwenden, dass Streetart gar nicht für die Ewigkeit gedacht ist, dass das Vergängliche Teil der Kunst ist. Aber die Leipziger „Frau mit Kind“ ist das älteste im öffentlichen Raum erhaltene Bild von Blek le Rat und vermutlich eines der ältesten erhaltenen Stencil-Werke überhaupt. Es überlebte die Jahrzehnte aufgrund vieler Zufälle und erzählt dazu eine wunderbare Liebesgeschichte.

Also stand ich vor kurzem in Leipzig auf der Karl-Liebknecht-Straße vor der Hausnummer 7 und war … tief enttäuscht. Das Bild, das sich mir bot, war dieses:
Als Kulturgut geschütztes Stencil von Blek le Rat in Leipzig. Zustand im Februar 2016 mit beschmierter Schutzscheibe.
Das Haus ist top saniert, wie fast alle Gebäude im Stadtteil, aber die Plexiglasscheibe, die das Stencil von Blek le Rat schützt, ist beschmiert und wild beklebt, so dass man das Wandgemälde gar nicht sehen kann. Irgendwie ist es ein bisschen so, wie es in den 20 Jahren vor der Wiederentdeckung war. Aber dieses Mal wird das Bild sicher nicht vergessen, dafür wird Leipizig schon sorgen. Ich bin gespannt, ob ich bei meinem nächsten Besuch in dieser tollen Stadt mehr sehen kann.

Kleines Foto:
Pour Sybille, Zustand des Stencils von Blek le Rat 1991, Foto von Sybille Metze-Prou

Sybille Metze-Prou, die in Köln Kunst studierte, hat ein Buch über die Arbeit ihres Mannes („Blek Le Rat: Getting Through the Walls“) und zusammen mit Streetart-Kenner Bernhard van Treek eines über Stencils („POCHOIR – Die Kunst des Schablonen-Graffiti“) veröffentlicht.

Ein umfangreicher Artikel im Vangardist gibt Einblicke in die Biografie von Xavier Prou und seine Motivation, Streetart zu machen.

Streetart mit Aussage

17. Februar 2016 at 18:45

Paste-up von "Louva must die": Beauty has no standardsLouva must die“ nennt sich die Anfang 30-jährige, die seit acht Jahren Streetart macht. Weil es ihr einfach ein Bedürfnis, eine Leidenschaft ist, wie sie mir erzählt. Und sie möchte sich abgrenzen von denen, die auf den Streetart-Zug aufspringen, weil es gerade hip ist. Louva möchte etwas aussagen mit ihren Werken, das wird schnell deutlich. Es geht ihr nicht um schöne bunte Bilder.

Unter der Zufahrt zur Brücke in Köln-Mülheim findet man besonders viele kleine Werke von Louva. Sie wurden im Rahmen des Straßengold-Projekts im CityLeaks-Festival 2015 geklebt. Zuerst aufgefallen ist mir Louva aber mit dem recht großen Paste-up „Beauty has no standards“, das zu einer ganzen Porträt-Serie mit Männern und Frauen verschiedenster Ethnie gehört. Das Porträt der First-Nations-Frau findet man im Mülheimer Schanzenviertel.

Die in Nordhessen beheimatete Louva hinterlässt hauptsächlich Stencils. Ihr Vorbild ist – wie für viele Street Artists – Banksy. In einem umfangreichen Interview mit face2face erklärt sie u.a. ihre Sicht auf (illegale) Graffiti und Streetart, als „die letzten halbwegs subversiven Bastionen der Kunst“.

Drei kleine aufgeklebte Werke der Street Artistin "Louva must die" in Köln

Fliegende Augen und bunte Mädchen

11. Februar 2016 at 18:23

Drei Motive aus der Street Art, die Überwachungskameras zeigen.

Dass Street Artists, die meist halblegal oder illegal und im Verborgenen arbeiten, und Überwachungskameras keine Freunde sind, ist eigentlich klar. Einige machen die Kamera als solche sogar zum Motiv. Hier drei Beispiele (v.l.n.r.):
Stencil von ATS auf dem Gottesweg, Paste-up von Sei leise auf der Vogelsanger Straße, Paste-up von El Bocho auf der Marienstraße.

Sei leise verwendet das Motiv mit der fliegenden Kamera (Ufo-Kamera) auch bei seinen Reverse Graffiti (siehe Foto im Blog-Eintrag vom 26.12.2015).

Wandgemälde von El Bocho aus der "Citizens"-Reihe in Köln-EhrenfeldZu dem Paste-up mit den beiden Kameras (die im übrigen „Kalle“ und „Bernd“ heißen) von El Bocho gehören normalerweise noch eine bis zwei Sprechblasen. Kalle und Bernd führen auf den Wänden, auf denen sie kleben, nämlich gern kleine Unterhaltungen über ihr Dasein und das, was sie auf der Straße so sehen. Bei dem Exemplar in der Marienstraße sind die Sprechblasen aber irgendwie seit Anbringen des Motivs 2011 abhanden gekommen.

Von El Bocho, einem ausgebildeten Illustrator, der als Künstler den Sprung in weltweite Ausstellungen geschafft hat, gab es in Köln über die Jahre zahlreiche Motive. Besonders bekannt sind seine „Little Lucy“ und die riesengroßen, sehr bunten, „Citizens“ genannten Porträts junger Hipster-Mädchen. Im Belgischen Viertel und bei Heinz Gaul an der Vogelsanger Straße findet man noch die Reste der großen Paste-ups. Schon eher für die Ewigkeit gedacht und darum gut erhalten ist das mehrere Meter hohe Gemälde am Bahnhof Ehrenfeld, ebenfalls aus der „Citizens“-Serie (kleines Foto).

Ausgerechnet Bananen

21. Januar 2016 at 19:10

Von Thomas Baumgärtel gesprayte Banane und als "ungültig" erklärte Banane

Als Thomas Baumgärtel (Jahrgang 1960) vor 30 Jahren, während seines Kunststudiums in Köln, anfing, die charakteristische gelb-schwarze Banane in Stencil-Technik zu sprühen, war nicht abzusehen, was sich daraus entwickeln würde. Das Motiv war inspiriert von der noch mal 20 Jahre älteren Banane, die ein Plattencover von „Velvet Underground“ zierte und von Andy Warhol stammte. Baumgärtel hatte das Motiv noch weiter auf das Wesentliche reduziert und begonnen, es neben die Eingänge von Kunst-Orten wie Museen und Galerien zu sprühen. Inzwischen sollen es über 4000 weltweit sein und Baumgärtel ist als „Der Bananensprayer“ bekannt. Einzigartig dürfte sein, dass er an Räumen, die irgendwann keine Kunst-Orte mehr sind, seine Bananen wieder „entwertet“, für ungültig erklärt (siehe Foto oben).

Natürlich war man in den ersten Jahren not amused über die Graffiti des unbekannten Künstlers an Hauswänden. Das Sprayen an anderer Leute Eigentum ist zwar nach wie vor illegal, wurde vor 30 Jahren aber stärker geahndet. Im Fall der Baumgärtel-Banane waren Galerien jedoch bald schon stolz auf diese „Auszeichnung“ und irgendwann galt die gelbe Frucht als Qualitätsmerkmal und Kunst-Symbol in der Szene und jeder wollte sie haben.

"Charlie" von Thomas Baumgärtel und Mural des Captain Borderline Kollektivs mit Banane

Thomas Baumgärtel ist längst in der etablierten Kunstszene angekommen, die Banane käuflich. Seine Bilder sind sind in vielen öffentlichen Sammlungen zu finden und Baumgärtel ist jedes Jahr mit zahlreichen Ausstellungen präsent. Die Banane spielt dabei immer wieder eine tragende Rolle: Es gibt Bundesbananenadler, Eurobananen, Fußballbananen, Bananen als Wandfries, die Banane am Kreuz. Aber auch der Streetart ist der Künstler nicht ganz abhanden gekommen: Als Reaktion auf den Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris vor gut einem Jahr brachte Baumgärtel seine Version eines (kölschen?) Charlie mit Bleistift und Narrenkappe als Paste-up an verschiedenen Stellen in Köln an. Im Sommer kam sein Charlie dann noch mal als Mural in Neuwied zu Ehren (siehe Blog-Beitrag vom 7. Januar).

Von Thomas Baumgärtel gesprayte Eva mit Banane statt Apfel in der Hand2011 ist im Rahmen des CityLeaks Festivals ein interessantes Mural „im Zeichen der Banane“ entstanden: In der Marzellenstraße, wenige Meter von den in den Hauptbahnhof führenden Bahngleisen entfernt, bemalte die Captain Borderline Crew in Kooperaton mit Thomas Baumgärtel eine Wand. In dem Motiv dient die Banane, die hier wieder die Kunst symbolisiert, als Rammbock zur Einnahme einer Stadt (durch diverse Bauten und die drei Kronen am Tor als Köln zu erkennen). Die Stadt hinter den Mauern hat sich den Investoren verschrieben, Räume für Künstler, wie die ehemaligen Clouth-Werke, sind der Abrissbirne preisgegeben und vor der Stadt sind schon totsanierte oder zerstörte Kunstorte begraben. Rechts unten beschießen Mitglieder von Captain Borderline Köln mit farbigen Pfeilen und einer Steinschleuder mit Sprühdose. Ein anderes Detail wird auf meinem Foto leider vom Dach der ehemaligen Tankstelle verdeckt: Links unten im Bild steht ein Künstler (Baumgärtel) mit Palette und Pinsel in der Hand.

Im Agenesviertel finden sich Adam und Eva auf einer Hauswand. Der Sündenfall hat hier nichts mit einem Apfel zu tun; Eva hält natürlich eine gelbe Frucht in der Hand (kleines Foto). Ein weiteres Wandgemälde des Bananensprayers (zweites kleines Foto) befindet sich etwas versteckt an der Alten Mauer am Bach (Griechenmarktviertel). Hier gibt es Reste der römischen Stadtmauer ebenso wie ein Bild, in dem sich aus Hunderten oder gar Tausenden von Bananen ein Dom-Bild in Froschperspektive ergibt. Leider bleibt es nicht von unschönen Schmierereien verschont.

Von Thomas Baumgärtel mit Bananen-Dom-Motiv besprayte Wand in KölnZum 30-jährigen Jubiläum der Sprüh-Banane 2016 widmet das Osthaus-Museum in Hagen Thomas Baumgärtel eine Sonderausstellung. Sie beginnt am 30. September.

 

-> Die kleinen Abbildungen können durch Anklicken größer dargestellt werden.

Fliesenleger gesucht

30. Dezember 2015 at 22:10

Vier Beispiele von in der Streetart-Szene beliebten Kacheln aus Köln

In einer Stadt wie Köln, wo es nach dem Krieg – warum auch immer – Mode war, Hausfassaden komplett zu kacheln, fallen ein paar Fliesen mehr oder weniger kaum auf. Sollte man meinen. Tun sie aber doch, wenn sie künstlerisch bearbeitet wurden.

Handelsübliche Kacheln sind ein in der Streetart beliebtes Medium, kann man sie doch im heimischen Atelier in aller Ruhe vorbereiten und sie dann in einer Nacht- und Nebel-Aktion leicht und schnell anbringen. Außerdem sind die bemalten, in Stencil-Technik besprayten oder auch via Siebdruck hergestellten quadratischen Kunstwerke wetterbeständiger als Paste-ups und fallen in der Regel nicht ganz so schnell dem Vandalismus zum Opfer wie andere aufgeklebte Werke.

In Köln findet man eine unglaubliche Vielzahl von künstlerisch gestalteten Kacheln verschiedener Street Artists. Wenn sie nicht signiert sind, bleibt der Urheber dem Berachter leider unbekannt. Ich zeige hier ein paar Beispiele von Kacheln, die ich in der letzten Zeit gefunden habe. Obere Reihe (v.l.n.r): Lütticher Straße, Doppelkachel an der SSK Liebigstraße, Ketauu an der Mülheimer Brücke, Uferpromenade Mülheim. Untere Reihe: Jesus-Motiv an der Brüsseler Straße, kaputte Kachel in der Moltkestraße, xxxhibition in der Moltkestraße.

Drei Beispiele von in der Streetart-Szene beliebten Kacheln aus Köln

Im Belgischen Viertel findet man eine regelrechte Flut von Kacheln und kleinen aufgeklebten dreidimensionalen Objekte von xxxhibition, eines Streetart-Pioniers aus Köln. Die meisten sind schon älter und oft schon halb zerstört. Wer sie aber trotzdem aufspüren möchte: Einfach mal auf Fußknöchel-Höhe die Hausfassaden anschauen! Da wird man besonders oft fündig.

Über den unbestreitbaren Meister der Fliesenleger unter den urbanen Künstlern, Invader, werde ich in einem weiteren Blog-Beitrag in der nächsten Zeit berichten.