Wat fott es, es fott

23. Dezember 2015 at 18:30

Wandgemälde von Hendrik "ECB" Beikirch in der Dasselstraße, Köln

Dass Streetart eine vergängliche Kunst ist, ist eigentlich klar. Trotzdem bedauert man den Verlust von besonderen Werken. Leider trifft es auch die ganz großen Werke, die Murals. Die sind zwar mit Erlaubnis oder sogar im Auftrag der Hauseigentümer entstanden, haben aber teils erschreckend geringe Halbwertzeiten. Plötzlich steht ein Gerüst am Haus und wenn es wieder weg ist, ist auch das Wandgemälde verschwunden.

Wandgemälde von Aya Tarek in der Follerstraße, KölnSo kürzlich geschehen in der Follerstraße (Südstadt, kleines Foto), wo seit Oktober 2013 ein farbenfrohes Werk der ägyptischen Künstlerin Aya Tarek (*1989) zu bewundern war. Die in Alexandria lebende Malerin wird weltweit eingeladen, ihre Kunst zu zeigen. In Köln schuf sie inmitten der eher tristen Umgebung mit langweiliger 60-er-Jahre-Architektur dieses riesige Porträt eines jungen Mannes, der sich in exotische Gefilde träumt.

Sukzessive verschwunden bzw. dem Blick des Betrachters entzogen ist/wurde auch das Wandgemälde in der Dasselstraße (Bilder oben) von Hendrik Beikirch (alias ECB). Der 1974 geborene und in Koblenz lebende Künstler bemalt in der ganzen Welt groß- bis größtflächige Wände mit eindrucks- und ausdrucksvollen Porträts meist älterer Herren. In Südkorea schuf Beikirch beispielsweise mit 70 Metern Höhe Asiens größtes Wandbild. In der Kölner Dasselstraße war es ein Obdachloser aus der South Street in New York, den er 2013 hier abgebildet hat. Lange schaute der bemützte alte Mann auf ein Stückchen Brachland direkt am Bahndamm des Südbahnhofs, bis in den letzten Monaten hier ein neuer Wohnblock entstand und Beikirchs Werk sozusagen eingemauert wurde. Archäologen werden es vermutlich in einigen Hundert Jahren vielleicht wiederentdecken.

In Köln ist Hendrik Beikirch seit 2014 noch mit einem weiteren Wandgemälde vertreten: Die Seitenwand der Halle von Jack-in-the-Box in Ehrenfeld ziert sein Porträt „schwarzzugrau“, das zum Photography Playground der Firma Olympus, der im letzten Jahr in Köln Station machte, entstand.

Von der klassischen Malerei zur Streetart

21. Dezember 2015 at 18:14

2 Paste-ups von "Marie" Birte Marie Kube, gefunden im Schanzenviertel Köln-Mülheim

Die beiden mit „Marie“ unterzeichneten Paste-ups, die im Köln-Mülheimer Schanzenviertel kleben (Fotos oben), fielen mir gleich ins Auge. Und dann entdeckte ich zufällg letzte Woche noch die bemalte Wand im Biergarten des Kulturbunkers. Die kräftigen, leuchtenden Farben erhellten gleich den ansonsten trüben und nassgrauen Tag.

Wandgemälde von "Marie" Birte Marie Kube am Kulturbunker Mülheim„Marie“, das ist Birte Marie Kube, die an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und zunächst ganz klassisch mit Ölfarben gemalt hat. Inzwischen ist sie neben ihrer eigenen künstlerischen Tätigkeit Lehrerin für Englisch und Kunst an einem Gymnasium. Zweierlei kann sie nicht leugnen: Ihre Farbenliebe und ihre Liebe zur Modefotografie. Die von Graffiti inspirierten und in Stencil-Technik hergestellten Bilder haben keine Message, sagt sie. Außer vielleicht, die Welt ein bisschen schöner und bunter zu machen.

Die Arbeiten von Birte Marie Kube sind im Netz bestens präsentiert, u.a. auf Instagram und der eigenen Homepage.

Art4Water

17. Dezember 2015 at 19:47

Großflächiges Wandemälde am Grünen Weg in Köln-Ehrenfeld zum Thema "Sauberes Trinkwasser für alle".

2013 schufen Adrian Savulescu, Kayo Kracho, Martin Scholz & Steffen Z. Wolf für die Kölner Sektion von Viva con Agua dieses beeindruckende Wandgemälde am Grünen Weg in Ehrenfeld mit dem Hinweis „Kein Spaß ohne Wasser“. Die Organisation Viva con Agua setzt sich weltweit für sauberes Trinkwasser ein.

Kein Trash

8. Dezember 2015 at 20:07

Gemälde auf Hausfassade in Ehrenfeld von Christian Boehmer

Christian Böhmer, freischaffender Maler in Köln und auch als Graffiti-Künstler „Mr. Trash“ bekannt, hat 2015 dieses Haus in der Marienstraße/Ecke Hackländer Straße in Ehrenfeld gestaltet. Die „Papiertüten-Köpfe“, zu keiner zwischenmenschlichen Kommunikation mehr fähig (Amor ist schon eingeschlafen), sind ein häufiges Motiv bei Böhmer. Zeichnungen dieser Art waren schon in mehreren Ausstellungen zu sehen und Böhmer war und ist auf internationalen Kunstmessen vertreten.

Das Haus in der Marienstraße beheimatet übrigens mit dem „Lokal K“ den regionalen Treffpunkt der Wikipedia-Community.

Über die Entstehung der o.g. Fassade hat der WDR einen hübschen 2-Minüter gemacht, der noch in der Mediathek zu sehen ist.

Werbebotschaften auf Murals

6. Dezember 2015 at 22:29

Fotorealistisches Wandgemälde in der Stammstraße

Erst kürzlich entdeckte ich in der Stammstraße, zwischen Balloni-Hallen und Bahnhof Ehrenfeld, dieses wirklich beeindruckende Wandgemälde. Es strahlte mich förmlich über den Ehrenfeldgürtel hinweg an. Natürlich wollte ich wissen, von wem diese fotorealistische Malerei stammt und warum sie dort prangt. Die Recherche ergab Profanes: Es handelte sich ursprünglich um eine Zalando-Werbung. Der Werbetext wurde irgendwann überpinselt; wenn man genau hinsieht, kann man es auf dem Foto noch erkennen.

Wandgemälde der KVB in der StammstraßeDie zum Hotel „Zeitgeist“ (sic!) gehörende Außenwand wird an wechselnde Interessenten als Werbefläche vermietet. Seit wenigen Tagen ziert nun das „Wintermotiv“ der Kölner Verkehrsbetriebe die Wand. Immerhin mit Botschaft: Zeitgleich zur UN-Klimakonferenz in Paris möchten die KVB auf den Klimawandel aufmerksam machen und nicht ganz uneigennützig zum Umstieg auf Öffentliche Verkehrsmittel animieren. Das Bild zeigt den unter Schnee versunkenen Dom. Angefertigt wurde es vom Leipziger Künstlerduo „Weiße Seite“.