Da weißte Bescheid, Frau Langstrumpf!

22. August 2016 at 16:42

Graffiti "Ich liebe dich, Schokominza"

Stromkästen: Süß oder gesund

16. Juni 2016 at 19:15

Hausfassade in Wuppertal-Barmen mit als Helgoländer Waffel bemaltem Stromkasten davor

Wuppertal kommt einem vielleicht nicht sofort in den Sinn, wenn man an Streetart denkt. Dabei hat die knapp 350.000 Einwohner zählende Stadt neben Schwebebahn, Industriearchitektur und 4.500 Baudenkmälern überraschend viel Kunst und Kultur zu bieten. Und es gibt eine vielfältige Graffiti-Szene. Deren Werke entdeckt man zum Beispiel bei einer Fahrt mit der über 13,3 km größtenteils der Wupper folgenden Schwebebahnstrecke.

Im Stadtteil Barmen findet der Streetart-Interessierte besonders Witziges. Wie in den meisten Städten waren auch hier die Stromkästen in den Straßen beschmiert, getagt, beklebt. Und wie in einigen anderen Städten hat man die verunstalteten grauen Dinger offiziell zur Verschönerung freigegeben. Martin Heuwold und Ognjen Pavic bemalten bislang mindestens 22 der Kästen und gestalteten sie zu Süßigkeiten, Obst und Gemüse um. Da gibt es natürlich gelungene und weniger gelungene Beispiele. Ich mag besonders die, die auf den ersten Blick schwer zu erkennen sind, weil eine eckige Tomate oder eine gewürfelte Erdbeere nun mal Seltenheitswert haben.

Als Obst und Gemüse bemalte Stromkästen in Wuppertal-Barmen

Als Süßigkeiten bemalte Stromkästen in Wuppertal-Barmen

Neben Butterkeks, Waffeleis, Hanuta und Donauwellen-Kuchen als süße Verführer gibt es Ananas, Melone und sogar einen schweizer Käse zu sehen. „Die Kunst, aus Stromkästen Obst zu machen“, titelte denn auch die Westdeutsche Zeitung letztes Jahr. Sogar ein, nicht in diese Serie passender, als rosa Schweinchen bemalter Kasten findet sich in Barmen. Alle Kästen kann man bequem bei einem Rundgang durch die Fußgängerzone und die davon abgehenden Wege finden. Aber bitte nicht anbeißen!

Der letzte Held der politischen Wandmalerei

10. Mai 2016 at 16:53

Wandgemälde von Klaus Paier (1945-2009) in Köln: Schlacht an der Elsaßstraße

2009 starb in Köln der Graffiti-Künstler Klaus Paier (*1945 in Essen), den Bernhard van Treek, Autor mehrerer Werke über Streetart, als „letzten Helden der politischen Wandmalerei“ bezeichnet hatte. Das ist nicht ganz zutreffend, denn Wandbilder sind auch heute noch oft politisch geprägt. Nicht nur in Südamerika, wo die Muralismo-Bewegung ihren Ursprung hatte, auch in Deutschland dienen Murals nicht ausschließlich der Verschönerung des öffentlichen Raumes. Aus Köln ist besonders das Captain Borderline Kollektiv zu nennen, das mit Wandgemälden und Installationen politische und gesellschaftskritische Themen verarbeitet.

Wandgemälde von Klaus Paier (1945-2009) in Köln: Mann in GelbKlaus Paier war mit seinen Bildern einer der Vorreiter der Streetart-Bewegung. Zunächst seit 1978 in Aachen, wo er Physik studiert hatte, später dann in Köln malte er im Schutz der Dunkelheit seine stets eckig wirkenden Figuren und Szenen auf triste graue Wände. Es ging um Atomkraft, Faschismus, Immobilienspekulanten. Themen, die also nach wie vor hoch aktuell sind. Paier war noch mit Pinsel und Farbe unterwegs, ohne Sprühdose. Als „Aachener Wandmaler“ fand er Eingang in die Kunst-Welt.

Die meisten seiner über 100 Werke sind längst verschwunden; übermalt, weggeätzt, abgerissen oder einfach dem Verfall preisgegeben. Die wenigen erhaltenen scheinen immerhin einigen Paier-Enthusiasten und Kunstfreunden schützenswert. In Aachen wurde schon vor längerer Zeit sein „Liebespaar“ unter Denkmalschutz gestellt. Weitere sollen dort folgen.

In Köln wurde Klaus Paier ab Anfang der 80-er Jahre bekannt, konnte sogar einige Wände ganz offiziell bemalen. Auch hier ist allerdings nach über 30 Jahren nicht allzu viel erhalten. Drei Paier-Wandgemälde habe ich aktuell an öffentlich sichtbaren Wänden gefunden:

Das bekannteste Paier-Gemälde in Köln ist „Die Schlacht an der Elsaßstraße“ (großes Bild oben), 1983 auf die Wand des Hochbunkers in der gleichnamigen Straße der Südstadt gemalt. Es greift eine Begebenheit aus dem Jahr 1933 auf, als SA-Truppen, die die Machtübernahme durch die Nazis mit einem Umzug feiern wollten, von den Bewohnern der Straße aus den Fenstern mit allem beworfen wurden, was an Hausrat als Wurfmaterial dienlich schien: Vom Nudelholz über Blumentöpfe bis zum Nachttopf war alles darunter. Über 70 Bewohner wurden festgenommen, Wohnungen verwüstet.

Dieses Werk von Klaus Paier bleibt leider nicht vom Vandalismus durch Sprayer verschont. Ansonsten achten die Anwohner bis heute sehr darauf, dass es nicht komplett unter die Räder kommt oder gar entfernt wird. Auch das war seitens der Stadt schon mal geplant.

Wandgemälde von Klaus Paier (1945-2009) in Köln: Afrika brennt

Aus Paiers Zyklus „Südafrika brennt“, ebenfalls aus den 80-er Jahren, ist mindestens noch ein Werk in Köln erhalten: Auf einem Abrissgelände im Belgischen Viertel fand ich dieses Bild von einem angebundenen Mann, auf den ein zähnefletschender Hund losgelassen wird. – Und nicht zuletzt der Mann in Gelb (kleines Foto) ist seit vielen Jahren für jeden sichtbar, der auf der Luxemburger Straße unterwegs ist.

Hall of Fame

26. April 2016 at 13:22

Graffiti "Hall of Fame" auf dem Kölner Heliosgelände

Heliosgelände, Köln-Ehrenfeld. Bald werden auch die letzten Mauern den Baggern weichen müssen, auch wenn es seit Jahren Gerangel gibt über die Neubebauung. Bis dahin wird weiter an der „Hall of Fame“ gesprayt.

Alle Vögel sind schon da

10. April 2016 at 22:15

Wuffelpuffel-Graffiti in Köln

„Wuffelpuffelz“ heißen die fluffig-flauschigen Kerlchen, die in den letzten Tagen in Köln-Mülheim auftauchten. Grund ist die Straßengold-Ausstellung, zu der auch Graffiti-Künstler Mista Sed (Mr. Sed) alias Robert Kempe aus Augsburg kam. Im Biergarten des Kulturbunkers entstand der orange Wuffelpuffel, im Park der MüZe ziert nun ein mehrere Meter(!) hoher lilafarbener Geselle die Wand. Links daneben im Bild sieht man übrigens – auch ganz neu – eine kölsche Joiny, die wie immer „joot drupp“ ist. Joiny, die einen sehr hohen Verbreitungsgrad in Köln hat, ist sonst ausschließlich als Paste-up und Sticker zu sehen.

Originale Wuffelpuffelz auf Leinwand gibt’s noch bis zum 17.4. in der Straßengold-Ausstellung zu erwerben.

Wie so ein Wollmonster auf der Wand entsteht, zeigt ein kurzes youtube-Video.

Sie liebt den DJ

4. April 2016 at 10:08

Besprayte Tür in der Kölner Roonstraße: Love DJVollklischee in der Roonstraße.

Love is in the … Unterführung

2. April 2016 at 15:36

Graffiti-Herz an Kölner Bahn-Unterführung.Frühlingsgefühle in der Bahnunterführung Maybachstraße.

Ein ernstes Mädchen

11. März 2016 at 22:09

Wandmemalung Ivana Hoffmann in Köln-Deutz

Da musste ich auch erstmal eine google-ähnliche Suchmaschine bemühen. Aber die Wandbemalung am Deutzer Rheinufer, an der ich heute zufällig vorbei radelte, war nicht zu übersehen und machte mich neugierig.

„Ivana Hoffmann – eine von uns“ steht etwas schwer lesbar neben dem Graffiti-Porträt einer jungen Frau. Ich gebe zu, mir war der Name nicht bekannt. Die Recherche-Maschine ergab diese Geschichte, die zufällig genau ein Jahr her ist:

Ivana Hoffman, Tochter einer Deutschen und eines Togolesen, wurde 1995 in Emmerich geboren und lebte in Duisburg. Schon früh engagierte sie sich gegen Rassismus und Sexismus und wurde später Mitglied einer kurdischen kommunistischen Partei. Sie reiste 2015 aus Deutschland aus, um sich den Kurden in ihrem Kampf gegen den IS anzuschließen (unter den kurdischen „Volksverteidigungs-Einheiten“ sind 30 bis 40 Prozent Frauen). „Sie hatte ein sehr stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. … Sie hat gesagt, man kann nicht untätig hier sitzen, wenn anderswo Menschen ermordet und unterdrückt werden.“ Das erzählte ein Freund in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Ivana Hoffmann soll am Kampf um die Stadt Kobane beteiligt gewesen sein. In Tell Tamer, an der syrischen Grenze, kam sie schließlich bei einem Gefecht mit dem IS um’s Leben. Sie wurde nur 19 Jahre alt.

Und plötzlich machen einige andere Graffiti Sinn, die ich in den letzten Monaten in anderen Stadtteilen sah, aber nicht einordnen konnte. So wurden an vielen Stellen Hammer und Sichel auch in gut situierten, bürgerlichen Stadtteilen gesprayt und in Sülz las ich auf einer Hauswand „Ivana ist unsterblich“ (Foto).

Graffiti Ivana Hoffmann in Köln-Sülz

Ihr früher Tod und die traurige Tatsache, dass sie als erste Deutsche gilt, die im Kampf gegen den IS starb, verhalfen Ivana Hoffmann zu einem Wikipedia-Eintrag.

In der Mediathek kann man den ZDF-Beitrag aus der Nachrichten-Sendung „Neute Nacht“ vom 12. März 2015 noch mal anschauen, der die junge Frau aus Duisburg als „ein ernstes Mädchen“ beschreibt.

Kölnliebe

26. Januar 2016 at 17:57

Im Gerhard-Winkler-Hof, einem Fußweg an der Alten Wallgasse, nur wenige Meter von der quirligen Ehrenstraße entfernt, hat der Besitzer von Blumen Strunck seine ganz Kölnliebe in einem 80 qm großen Graffito zum Ausdruck bringen lassen: Hier sind u.a. der FC, Päffgen Kölsch, die für’s Panorama wichtigen Gebäude und der Karneval verewigt. Die Stadtfarben Rot und Weiß dominieren dabei, umrankt von allerlei Gärtner-Grün. Dunkelgrau heraus sticht der gemalte Eingang mit dem schmiedeeisernen Tor zum Melaten-Friedhof, auf dem die Traditionsfirma Strunck, die als Gartenbaubetrieb und Blumengeschäft schon seit 1872 an der Alten Wallgasse zu finden ist, ihre Dienste bei der Grabpflege anbietet.

80 qm große, mit Graffiti von Abe und Biatsch versehene Wand in Köln

Gestaltet wurde die Wand im letzten September von den Graffiti-Künstlern Abe und Biatsch, die in der – mit Unterbrechungen – zweiwöchigen Arbeit von Scar und Ziek unterstützt wurden. Den Auftrag hatte die „Agentur für Subkultur“ Bezirk Zwo vermittelt, die in den Bereichen Musik, Video und Grafik tätig ist und über die Arbeit an der Wand des Gerhard-Winkler-Hofs einen kleinen Film online gestellt hat.

Sticker der Graffiti-Künstler Abe und Biatsch an einem Blitzerkasten in KölnDie Handschrift der Maler auf dieser Wand ist unverkennbar. Die typischen Formen und Figuren der Stretart-Größen Abe / Biatsch findet man gesprüht oder geklebt in ganz Köln und auch in anderen Städten. Nicht immer sind es legale Wände, die damit verziert werden. Kleines Foto: Sticker von Abe / Biatsch auf einem Blitzerkasten am Sachsenring.

Abe / Biatsch zeigen ihre Werke auch in Streetart-Ausstellungen. Hier geht es zu einem interessanten Interview mit den beiden.

Ausgerechnet Bananen

21. Januar 2016 at 19:10

Von Thomas Baumgärtel gesprayte Banane und als "ungültig" erklärte Banane

Als Thomas Baumgärtel (Jahrgang 1960) vor 30 Jahren, während seines Kunststudiums in Köln, anfing, die charakteristische gelb-schwarze Banane in Stencil-Technik zu sprühen, war nicht abzusehen, was sich daraus entwickeln würde. Das Motiv war inspiriert von der noch mal 20 Jahre älteren Banane, die ein Plattencover von „Velvet Underground“ zierte und von Andy Warhol stammte. Baumgärtel hatte das Motiv noch weiter auf das Wesentliche reduziert und begonnen, es neben die Eingänge von Kunst-Orten wie Museen und Galerien zu sprühen. Inzwischen sollen es über 4000 weltweit sein und Baumgärtel ist als „Der Bananensprayer“ bekannt. Einzigartig dürfte sein, dass er an Räumen, die irgendwann keine Kunst-Orte mehr sind, seine Bananen wieder „entwertet“, für ungültig erklärt (siehe Foto oben).

Natürlich war man in den ersten Jahren not amused über die Graffiti des unbekannten Künstlers an Hauswänden. Das Sprayen an anderer Leute Eigentum ist zwar nach wie vor illegal, wurde vor 30 Jahren aber stärker geahndet. Im Fall der Baumgärtel-Banane waren Galerien jedoch bald schon stolz auf diese „Auszeichnung“ und irgendwann galt die gelbe Frucht als Qualitätsmerkmal und Kunst-Symbol in der Szene und jeder wollte sie haben.

"Charlie" von Thomas Baumgärtel und Mural des Captain Borderline Kollektivs mit Banane

Thomas Baumgärtel ist längst in der etablierten Kunstszene angekommen, die Banane käuflich. Seine Bilder sind sind in vielen öffentlichen Sammlungen zu finden und Baumgärtel ist jedes Jahr mit zahlreichen Ausstellungen präsent. Die Banane spielt dabei immer wieder eine tragende Rolle: Es gibt Bundesbananenadler, Eurobananen, Fußballbananen, Bananen als Wandfries, die Banane am Kreuz. Aber auch der Streetart ist der Künstler nicht ganz abhanden gekommen: Als Reaktion auf den Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris vor gut einem Jahr brachte Baumgärtel seine Version eines (kölschen?) Charlie mit Bleistift und Narrenkappe als Paste-up an verschiedenen Stellen in Köln an. Im Sommer kam sein Charlie dann noch mal als Mural in Neuwied zu Ehren (siehe Blog-Beitrag vom 7. Januar).

Von Thomas Baumgärtel gesprayte Eva mit Banane statt Apfel in der Hand2011 ist im Rahmen des CityLeaks Festivals ein interessantes Mural „im Zeichen der Banane“ entstanden: In der Marzellenstraße, wenige Meter von den in den Hauptbahnhof führenden Bahngleisen entfernt, bemalte die Captain Borderline Crew in Kooperaton mit Thomas Baumgärtel eine Wand. In dem Motiv dient die Banane, die hier wieder die Kunst symbolisiert, als Rammbock zur Einnahme einer Stadt (durch diverse Bauten und die drei Kronen am Tor als Köln zu erkennen). Die Stadt hinter den Mauern hat sich den Investoren verschrieben, Räume für Künstler, wie die ehemaligen Clouth-Werke, sind der Abrissbirne preisgegeben und vor der Stadt sind schon totsanierte oder zerstörte Kunstorte begraben. Rechts unten beschießen Mitglieder von Captain Borderline Köln mit farbigen Pfeilen und einer Steinschleuder mit Sprühdose. Ein anderes Detail wird auf meinem Foto leider vom Dach der ehemaligen Tankstelle verdeckt: Links unten im Bild steht ein Künstler (Baumgärtel) mit Palette und Pinsel in der Hand.

Im Agenesviertel finden sich Adam und Eva auf einer Hauswand. Der Sündenfall hat hier nichts mit einem Apfel zu tun; Eva hält natürlich eine gelbe Frucht in der Hand (kleines Foto). Ein weiteres Wandgemälde des Bananensprayers (zweites kleines Foto) befindet sich etwas versteckt an der Alten Mauer am Bach (Griechenmarktviertel). Hier gibt es Reste der römischen Stadtmauer ebenso wie ein Bild, in dem sich aus Hunderten oder gar Tausenden von Bananen ein Dom-Bild in Froschperspektive ergibt. Leider bleibt es nicht von unschönen Schmierereien verschont.

Von Thomas Baumgärtel mit Bananen-Dom-Motiv besprayte Wand in KölnZum 30-jährigen Jubiläum der Sprüh-Banane 2016 widmet das Osthaus-Museum in Hagen Thomas Baumgärtel eine Sonderausstellung. Sie beginnt am 30. September.

 

-> Die kleinen Abbildungen können durch Anklicken größer dargestellt werden.