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Ein ganzer Stencil-Zoo

17. Oktober 2016 at 22:27

„Stencils“ oder „Pochoirs“ sind eine Form der Streetart, bei der Motive mit Hilfe einer Schablone gesprüht werden (siehe auch Terminologie). Stencil-Stars wie wie Blek le Rat, Jef Aérosol oder Banksy sprühen große, aufwändige und teils mehrfarbige Bildmotive mit dieser Technik. Ich möchte hier aber einige kleine, einfarbige und eher simple Beispiele aus Köln zeigen. Denn verteilt über die ganze Stadt finden sich viele Stencils. Mal sind es Sprüche, die mit der Schablone gesprüht werden, mal menschliche Porträts, mal Tiere. Genau genommen kann man, wenn man möchte, einen ganzen Zoo von per Stencil-Technik gesprühten Tieren finden.Streetart in Köln: Verschiedene einfarbige Zebra-Stencils

Zebra, Panda und Dalmatiner sind naheliegend für ein einfarbig schwarz gesprühtes Motiv. Das Zebra links im Bild findet sich am Gottesweg, ist sehr groß und besonders schön gearbeitet. Alle anderen hier gezeigten einfarbigen Tierbilder sind eher klein und daher leicht zu übersehen.Streetart in Köln: Verschiedene einfarbige Tier-Stencils

Streetart in Köln: Verschiedene einfarbige Tier-Stencils von Hirsch über Elefanten bis PinguinenToll fand ich auch immer den großen, mit bunten Lacken auf ein Tor gesprühten Stencil-Tiger in Ehrenfeld. Leider ist das Motiv mittlerweile stark abgeblättert und kaum noch zu erkennen (Foto).Streetart in Köln: Großes Stencil "Tiger"

Hier noch einige weiterführende Links zum Thema:

Stencilrevolution bietet viele Infos zu Street Artists mit Biografien und Bildbeispielen, Tutorials und – etwas kurios – Vorlagen zum selber schneiden.

Stencilboard sammelt Stencil-Fotos weltweit. Leider ist die Seite noch nicht im Web 2.0 angekommen …

Eine riesige Sammlung von fotografierten Stencils findet sich auf auf flickr.

Auf youtube findet man allerlei Anleitungen zum Vorbereiten und schneiden einer Sprüh-Schablone. Ein gutes Video (auf Englisch) ist hier verlinkt.

Neue Ausstellung von Sei Leise

12. Oktober 2016 at 19:53

Vom 21. Oktober bis 6. November gibt es Werke des Kölner Street Artists „Sei Leise“ in einer neuen Ausstellung zu sehen. In den Räumen von KUNST&So, dem ehemaligen „Museum für verwandte Kunst“, kann man neue Arbeiten sehen. Auf Wunsch bekommt man eine Karte ausgehändigt, nach der man im direkten Umfeld des Museums im Belgischen Viertel im Anschluss an den Ausstellungsbesuch die Straßenkunst von „Sei Leise“ draußen, in freier Wildbahn also, entdecken kann.

Paste-up "Mädchen" von Sei Leise in Köln-MülheimFoto: Paste-up in Köln-Mülheim

Siehe auch:
Blog-Eintrag „Der Saubermann“ vom 26.12.2015
Blog-Eintrag „Das Gold liegt auf der Straße“ vom 05.04.2016
Blog-Eintrag vom „Frisch geputzt“ vom 12.04.2016

Die Kuh macht Mooh

11. Oktober 2016 at 20:52

Kommen Freunde, Bekannte und Verwandte aus dem Urlaub zurück, berichten sie mir gerne, was sie am jeweiligen Ort alles an Streetart gesehen haben. So auch die Nachbarin, die jüngst in Portugal war. Auf ihrem Handy zeigt sie mir, was sie in Porto Schönes fotografiert hat. Darunter diese Kuh neben dem hübschen Ausblick auf’s Wasser:
"Mooh" - Kuhgraffiti in Porto, Portugal
„Hab ich schon mal gesehen, die Kuh“, frolocke ich und krame kurz im Gedächnis. „In Köln-Nippes.“ Später krame ich im digitalen Bildarchiv auf dem Rechner und werde tatsächlich fündig. Die gleiche Kuh wie in Porto schaut am Bahnhof Nippes in die Welt (kleines Foto).

"Mooh" - Kuhgraffiti in Köln-NippesAber was hat es mit dem internationalen Rindvieh-Graffiti auf sich? Ist da eine Kuhbalisierung im Gange?!

Eine google-ähnliche Suchmaschine bringt es zutage: Die Kuh heißt „Mooh“ und war bis vor kurzem vermutlich in Minden/Westfalen zu Hause. Dort war in den vergangenen Jahren ein regelrechter Fan-Kult um das gesprühte Tier ausgebrochen. Mit eigener Fanpage, facebook-Fanseite und allerhand Zeitungsartikeln, die sich mit den schwarz-weiß gefleckten Graffiti eines nach wie vor unbekannten Sprayers beschäftigen. Mindestens 160 Kühe wurden bis heute gezählt, teils mit Sprüchen wie „Mut ist Freiheit“ oder „Gegen Zensur“ versehen, manchmal riesengroß und nicht immer nur als Einzeltier.

Der Sprayer nennt sich „John“ oder auch „The Kuhl Kid“, bleibt ansonsten aber unentdeckt.

Nun scheinen Sprayer und Mooh-Kuh ausgewandert: In das nahe Osnabrück. Wie die Neue OZ berichtet, tauchen in der Stadt vermehrt Rinder auf Wänden auf. Die Ausflüge auf die betonenen Weiden von Porto und Köln-Nippes scheinen eher seltene Besuche zu sein.

Einen Beitrag der WDR-Lokalzeit zur Mooh findet man auf youtube unter diesem Link.

New in Town

11. Oktober 2016 at 20:02

Von Nort kannte man in Köln bislang Paste-ups mit Personen-Porträts. Ganz neu sind diese Comic-Figuren. Eine sah ich am Brüsseler Platz, die andere am Barbarossaplatz. Wenn man die Augen offen hält, findet man dieser Tage bestimmt noch einige mehr.

Zwei Comic-Figuren von NORT, als Paste-up geklebt in Köln.

I Want to Hold Your Hand

29. September 2016 at 20:54

Nach vielen Wochen Sonnenschein soll es morgen zum ersten Mal seit langem wieder regnen in Köln. Und mit dem Regen wird auch dieses Werk aus Papier Schaden nehmen. Also noch mal schnell dokumentiert:

Ausschnitt aus einem mehrere Meter breiten Paste-up in Köln: Hände, die sich halten.Mehrere Meter breites Paste-up, bestehend aus vielen Teilen: Hände, die sich halten.Im Kölner Schanzenviertel ziert dieses im Prinzip endlos fortsetzbare vielteilige Paste-up eine alte Industriemauer. Hände, die sich halten, mal fest, mal locker, hellere und dunklere Hauttöne sind auf den schwarz-weiß-Drucken auszumachen. Eine Menschenkette. Das Werk ist nicht signiert. Wer hat es angebracht?

Ein Stück weiter hat die Deutsche Pop ihre Außenwände frisch spachteln und streichen lassen und damit die zuvor aufgebrachten Graffiti und Paste-ups, die die Straße säumten, entfernt. Man gibt sich clean.

Paste-ups von Marshal Arts (Salvador Dali) und Lilo (Enfant terrible).Einer meiner Lieblinge, der boxende Dalí von Marshal Arts, und das darüber klebende „Enfant terrible“ von Lilo sind dagegen noch erhalten und strahlen fast wie am ersten Tag (kleines Foto).

Banksy im Moco Museum Amsterdam

28. September 2016 at 10:00

Drei Werke von Street Artist Banksy im Moco Museum AmsterdamStreetart im Museum? Geht gar nicht. Dazu hatte ich bisher eine sehr feste Meinung, die bestärkt wurde in Gesprächen mit einigen Kölner Street Artists. Und wie könnte es auch funktionieren? Streetart heißt so, weil sie auf der Straße stattfindet, unkommerziell (meistens jedenfalls) und vergänglich (erste Konservierungen wurden schon vorgenommen) ist. Eine Kunst für alle, von unten, jenseits der Akademien (Ausnahmen bestätigen die Regel). Soweit die Theorie mit vielen, schlechten Schriftstil dokumentierenden Klammerungen.

Der Theorie von Streetart widerspricht bereits, dass immer mehr Galerien so genannte „Streetart“ ausstellen und verkaufen. Ist das Anfertigen von Werken für Ausstellungszwecke also noch Streetart? Und wie klein oder groß ist dann überhaupt der Schritt in ein Museum?

Moco Museum AmsterdamSo oder so: Die der Restwelt stets einen Schritt voraus eilende Metropole Amsterdam hat seit April ein neues Museum, das Moco (Modern Contemporary), also eines für zeitgenössische Kunst. Das ist erstmal nicht ungewöhnlich. Bis zu vier Wechselausstellungen pro Jahr soll es geben, gezeigt werden die Großen der etablierten Kunstszene sowie (auch die großen) der Urban Art, die dann wohl – irgendwie – ebenfalls etabliert sind. Und das ist neu. Und funktioniert, ohne dass das Haus, das sich am Museumsplein in direkter Nachbarschaft zu den weltbekannten Häusern wie dem Rijks- und dem Van-Gogh-Museum befindet, eine eigene Sammlung besäße. Es wird ausschließlich mit Leihgaben gearbeitet.

Die Eröffnung wartete dann gleich mit zwei Knallern auf: Neben Pop-Art-Papst Andy Warhol („Royal“ mit 40 Werken) zeigt die erste Ausstellung den Street Artist Banksy („Laugh now“ mit 50 Werken). Der hat’s zwar nicht erfunden, gilt aber als bekanntester seiner Zunft. Und die derzeitige Ausstellung läuft so gut, dass sie nun schon zum zweiten Mal verlängert wurde. Als Finissage wird jetzt der 31.12.2016 genannt.

Wer den Film „Banksy does New York“, der im Moco ebenfalls gezeigt wird, gesehen hat, wird meine Skepsis bezüglich einer Banksy-Ausstellung vielleicht verstehen. Auf mehr oder minder dubiose Arten wurden sich seine Streetart-Werke in New York unter den Nagel gerissen, gestohlen, verschachert, als Spekulationsobjekt missbraucht. Eine ziemlich kranke Kunstszene wurde hier vorgeführt.

Umso versöhnlicher ist der Besuch im Moco. Da ist zunächst einmal diese wunderschöne alte Jugendstil-Villa Alsberg von 1906, die Lionel und Kim Logchies (Lionel Gallery Amsterdam) in privater Initiative zum Moco umfunktionierten. Eine schöne, warme, freundliche Atmosphäre strahlen die alten Räume aus und wie in einem Privathaus hängen die unbezahlbaren Kunstwerke zwischen alten Möbeln, Kamin und modernen, farblich mit den Bildern abgestimmten Sitzgelegenheiten. Zu dieser Gesamt“installation“ fällt mir nur der Begriff „geschmackvoll“ ein.

Niemand möchte, dass ich meinen Rucksack abgebe, Fotografieren ist erlaubt und auch die hier entstandenen Aufnahmen darf ich gerne für meinen Blog verwenden, sagt mir die freundliche junge Dame am Eingang.

Paketbus von Street Artist Banksy im Moco Museum AmsterdamÜberwiegend sind es Werke von Banksy, die explizit für den Kunstmarkt geschaffen wurden, für Sammler. Also keine illegal abgesägten Garagentore oder ähnliches. Und keine abfotografierte Streetart. Sowas hatte ich befürchtet. Natürlich: Das Mädchen mit dem fliegenden Herz, die Affen, die Ratten sind auch zu sehen. Prunkstück ist ein bemalter Paket-Transporter (Bild oben), der in einem eigens errichteten provisorischen Haus-Anbau steht und – so sagt es der Katalog zur Ausstellung – vom jetzigen Besitzer, dem Leihgeber, direkt vom Künstler erworben wurde.

Als Galeristen, die Künstler wie Picasso, Gerhard Richter, Basquiat, Roy Lichtenstein, Jeff Koons, Dalí oder eben auch Banksy und Warhol im Programm haben, haben die Logchies natürlich allerbeste Kontakte zu Sammlern und dürften sich nebenbei rühmen, zu den besten Galerien Europas zu zählen. Auch in der nicht weit vom neuen Museum gelegenen Lionel Gallery gab es schon Banksy-Ausstellungen. Das Moco ist also nur die konsequente – und gelungene – Fortsetzung der Galerie. Ich jedenfalls bin gespannt auf weitere Ausstellungen, auch wenn der Begriff „Streetart“ hier eher unangebracht ist.

Bild unten: „Beanfield“, ein 4 x 3 Meter großes Gemälde von Banksy, stammt aus einer privaten Sammlung.

Bild "Beanfield" von Street Artist Banksy im Moco Museum Amsterdam

Aus weiterhin aktuellem Anlass

27. September 2016 at 12:03

Mural gegen TTIP von der Kölner Captain Borderline CrewDas Mural „Freihandelsabkommen“ in Köln-Mülheim entstand schon 2014, aber da ich es hier noch nicht gepostet habe und das Thema TTIP aktueller denn je ist, hole ich es gerne nach. Allein in Köln gingen vor anderthalb Wochen 55.000 Menschen gegen TTIP und CETA auf die Straße.

Die Wand wurde von A. Signl von der Kölner Captain Borderline Crew gestaltet. Über die Crew, dessen Mitglieder politische Themen aufgreifen und weltweit Murals gestalten, habe ich hier schon öfter berichtet. In Köln gibt es eine ganze Reihe großer Murals des Kollektivs mit kritischem oder ironischem Charakter.

Frische Farbe in Ehrenfeld

26. September 2016 at 20:35

Ich laufe gerne durch die Stadt. Immer wieder auf unterschiedlichen Wegen. Denn oft ist der kürzeste Weg der uninteressanteste und ein kleiner Umweg bringt neue Entdeckungen. So wie neulich, als ich mal wieder in den kleinen Straßen Köln-Ehrenfelds unterwegs war, die sich im Karree rund um die Körnerstraße befinden. Hier gibt es jedes Mal Neues auf den Wänden zu entdecken.

Bemalte Garagentore in Köln-EhrenfeldDas Garagentor mit dem Mädchen auf der Schaukel war mir neu (unsigniert, Lessingstraße), auch der Elefant in der Körnerstraße sowie um die Ecke einige Okapis (nicht auf dem Foto; beide Tiermotive von B + E). Auch in der Marienstraße strahlt eine bislang hässliche Wand in unglamouröser Umgebung in frischen Farben.

Wandbemalung in der Kölner Marienstraße

Ein Blick ins AZ

18. September 2016 at 16:00

Die bunte Außenwand auf der Luxemburger Straße nahe des Amtsgerichts ist sicher vielen schon mal aufgefallen. Aber wer war schon auf dem Gelände hinter dem großen Tor? Dort verbirgt sich – bis zur Neubebauung des Geländes – das Autonome Zentrum (AZ), das am vorherigen Standort, einem leerstehenden Gebäudekomplex des ehemaligen Motorenwerks Klöckner Humboldt Deutz in Kalk, für viel Wirbel sorgte. Aktivisten hatten es zunächst besetzt und durften es später offiziell nutzen. Befürworter und Gegner quer durch die Bevölkerung und alle Fraktionen rieben sich lange und medienintensiv an dem Thema. Letztlich wurde dann doch geräumt und abgerissen.

Paste-up an der Außenwand des AZ KölnIrgendwann wird das auch an der Luxemburger Straße passieren. Rund um das Gelände des jetzigen AZ, das früher einmal die Holzhandlung Thies war, wird schon fleißig gebaut. Unter anderem kommt der Neubau des im U-Bahn-Bahn-Loch verschwundenen Stadtarchivs hier hin. Dafür musste vor zwei Jahren schon der Bauwagenplatz „Paradies“, eine Art Künstlerdorf, weichen, dessen Bewohner rund um den stadtbekannten Künstler Rolf „Ketan“ Tepel das verwilderte Gelände zuvor in jahrelanger Arbeit in ein Gesamtkunstwerk verwandelt hatten. Alternative Lebensmodelle sind nicht (mehr) vorgesehen in der aus allen Nähten platzenden Stadt.

Zurück zum AZ: Noch ist es da und eventuelle Berührungsängste sind unangebracht. Auf dem Gelände finden Partys, Sportkurse und Diskussionen statt und Sonntags kann man hier unter fachkundiger Anleitung sein Fahrrad reparieren. Außerdem ist reichlich interessante Urban Art zu bewunden. Alle Wände und Tore bis hin zu den Müllcontainern sind bemalt. Sprayer hatten mit der Colorierung des Geländes begonnen, nachdem die Holzhandlung ausgzogen war.

Ich habe eine kleine Fotoschau dazu erstellt, die den aktuellen Stand zeigt, denn natürlich ändert sich die Bemalung immer wieder mal. Durch Anklicken kann man einzelne Fotos groß betrachten. Ganz verschwunden ist mittlerweile leider das Paste-up mit der gedoppelten Frieda Kahlo (kleines Foto), das lange Zeit neben dem Eingang zu sehen war.

Follow the White Rabbit

17. September 2016 at 20:05

Graffiti "Follow the white rabbit" in KölnDie Aufforderung, dem weißen Kaninchen zu folgen, stammt ursprünglich aus Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ und immerhin schon aus dem Jahr 1885. Seither wurde der Satz in der Pop-Kultur oft zitiert.

Der Hase von Petitworld 23 auf meinem Foto findet sich am Nachbarschaftsheim der Quäker in Köln. Da ziert er schon seit Anfang 2010 die Wand eines Schuppens.

Quäker? Ja, Quäker. Die religiöse Gruppe setzt sich besonders für soziale Themen ein, das Haus in Köln gibt es schon seit 1947, es ist eins der städtischen Bürgerzentren. Es ist auch Träger der freien Jugendhilfe und richtet pädagogische und soziale Angebote an alle Altersklassen.

Die Wände am und rund um das Nachbarschaftsheim sind mit sehenswerten Sprühbildern verziert. Hier engagieren sich auch die emsigen Mittwochs-Maler mit Graffiti Contests.