Streetart-Hotspot Unionviertel Dortmund

17. Juli 2017 at 22:25
Mural von The London Police (UK/NL) in Dortmund

Mural von The London Police (UK/NL)

Dortmund, größte Stadt des Ruhrgebiets. Fußball, Bier, Industriekultur. Arbeitslosigkeit, Armut. Dass Dortmund aber auch ein Hotspot der urbanen Kunst ist, wissen nur wenige. Noch dazu konzentriert sich eine erstklassige und vielfältige Ansammlung von Murals, Stencils, Graffiti & Co. in einem einzigen Viertel: dem Unionviertel, benannt nach der ehemaligen Union-Brauerei, von der nur noch der sieben Stockwerke umfassende und 70 Meter hohe ehemalige Gär- und Lagerkeller mit dem weithin sichtbaren riesigen „U“ auf dem Dach steht. Heute ist das „U“ Kunst- und Kulturzentrum, Partyort, Videospielfläche für Adolf Winkelmann, Museum, Beachclub und Millionengrab. Das angrenzende Viertel hatte lange einen schlechten Ruf und war so weit runtergekommen, dass es sich bis heute noch nicht erholt hat. Die niedrigen Mieten bringen seit einiger Zeit allerdings viele junge Menschen und Kreative ins Viertel, das sich langsam wandelt.

Am Eingang zum Unionviertel von der Innenstadt aus gesehen befindet sich die 44309 Street//Art Gallery, die viel zur Verschönerung der umliegenden Straßen beiträgt. Zwar ist hier nicht gerade die zahlungskräftige Kundschaft für zeitgenössische Kunst zu Hause (man verkauft eher an auswärtige Kunden), aber die teils renommierten Künstler, die hier ausstellen (viele kommen aus dem Urban-Art-Umfeld) werden eingeladen, im Unionviertel Kunst im öffentlichen Raum zu hinterlassen. Künstler und Crews aus aller Welt haben bereits Hauswände im Unionviertel bemalt. Nicht alle Wandgemälde im Viertel wurden von der Galerie in Auftrag gegeben, und daher umfasst ein Lageplan, der vor Ort gerne zur Verfügung gestellt wird, nur die „eigenen“ Wände, aber man kann das Viertel gut in wenigen Stunden ablaufen und entdeckt so mehr oder weniger zufällig auch die anderen Gemälde. Hier und da muss man sich dazu in fragwürdige Hinterhöfe wagen oder auf das Gelände einer alten Schule, aber es lohnt sich. Die alte Schule in der Adlerstraße war bis vor kurzem Flüchtlingsunterkunft und man musste erst beim Sicherheitsdienst fragen, ob man auf das Gelände kann. Inzwischen wurde die Unterkunft mangels Bedarf geschlossen und die großartigen farbenfrohen Gemälde von Telmo & Miel (Niederlande) und L7m (Brasilien) müssten wieder frei zugänglich sein.

In der Adlerstraße findet sich auch das Wandgemälde des polnischen Duos Sepe & Chazme, das in großartiger Weise mit den umliegenden grauen Gebäuden „spielt“. Sepe & Chazme verdanken wir in Köln ebenfalls zwei beeindruckende Murals: eines im belgischen Viertel und das andere in Ehrenfeld.

Eine besondere Beziehung pflegt man im Unionviertel zur französischen Stencil-Legende Blek le Rat (Xavier Prou), seit dessen Sohn Alexandre in der 44309 Street//Art Gallery ein Praktikum absolvierte. Und so kann man im direkten Umfeld der Galerie zwei lebensgroße Stencil-Figuren von Blek le Rat finden. Aber auch MAD C war da, L7 m ist gleich mit zwei Wänden vertreten, Alice Pasquini mit dreien. Leider habe auch ich keine Gesamt-Übersicht über die bemalten Wände, ich habe bei meinen bislang zwei Wanderungen durch’s Viertel noch nicht alles gesehen. Aber eine Auswahl meiner Entdeckungen packe ich in eine umfangreiche Bildergalerie unter diesen Beitrag. Sie zeigt sehr gut die große Vielfalt und Bandbreite zwischen Kunst, Kunsthandwerk und Fingerübung, die man im Unionviertel finden kann und bildet nicht nur die großen Murals ab, sondern auch kleine Fundstücke wie Kacheln und Stromkästen. Wie immer gilt: Streetart ist für den Moment und nicht unbedingt von ewiger Dauer.

Mural von Belin (Spanien) im Dortmunder Unionviertel

Mural von Belin (Spanien)

Stencil von Blek le Rat (Frankreich) im Dortmunder Unionviertel

Stencil von Blek le Rat (Frankreich)

Mural von Sepe & Chazme (Polen) im Dortmunder Unionviertel

Mural von Sepe & Chazme (Polen)

Mural von Mark Gmehling HYPE im Dortmunder Unionviertel

Mural von Mark Gmehling (Dortmund): HYPE

Teilansicht Mural von Claudia Ethos (Brasilien) im Dortmunder Unionviertel

Teilansicht eines Wandgemäldes von Claudia Ethos (Brasilien)

 

Transurban 2017

16. Juli 2017 at 12:04

Das Transurban-Festival | Urban Art in NRW ist in vollem Gange. Dortmund bildete den Anfang, Essen, Düsseldorf, Köln, Hagen und Bochum folgen mit Programm rund um das Thema Urban Art. Das Festival versteht sich als Plattform zur Vernetzung der Szene, will die urbane Kunst aber auch im Bewusstsein der Stadt-Bewohner und Besucher verankern. Im Rahmen des Festivals entstehen neue Murals, es gibt Führungen, Ausstellungen, Workshops und Gespräche.

Nach Köln kommt das Festival vom 26. August bis 14. September; fast alle Aktionen finden in Ehrenfeld statt. Mit dabei ist auch Straßengold mit einer neuen Gemeinschaftsausstellung vieler Street Artists im Atelierzentrum Ehrenfeld, während in der Galerie Kunst&So fotografierte Streetart präsentiert wird. Außerdem kann man bei der Entstehung zweier neuer Murals zusehen: AEC Interesni Kazki (Aleksei Bordusov) aus Kiev malt ab 26.8. an der Vogelsanger Straße 193 in Ehrenfeld, Elian Chali aus Argentinien ab 2.9. am Clevischen Ring 178 in Mülheim.

Das vollständige Programm aller teilnehmenden Städte findet man unter diesem Link.

Bemalte Hauswand von Alice Pasquini im Dortmunder Unionviertel

Foto oben: Mural von Alice Pasquini in Dortmund. Während einer Streetart-Tour durch’s aufblühende Union-Viertel, die die auf Urban Artists spezialisierte 44309 Street//Art Gallery veranstaltete, konnte man unter fachkundiger Führung einge der in den letzten Jahren entstandenen Murals internationaler Artists (und eines Dortmunders) entdecken. Die Galerie lädt immer wieder Künstler nicht nur zu Soloshows ein, sondern auch dazu, in Dortmund – und hier besondes im Unionviertel – Wände zu gestalten. So ist der Stadtteil im Schatten des „U“ inzwischen zu einem Hotspot für Streetart-Liebhaber geworden, das man auf eigene Faust oder anhand von Kartenmaterial, das die Galerie gerne zur Verfügung stellt, prima erkunden kann.