Bonner Lochfraß

18. Juni 2017 at 17:51

 

Graffiti im "Bonner Loch" im Juni 2017.

Wie das immer so ist: Was in den 70-er Jahren ein topschickes Bauwerk war oder zumindest so gemeint, galt 20 Jahre später als Bausünde und muss nochmal 20 Jahre später dringend weg. So geht es auch dem Gebäudekomplex gegenüber des Bonner Hauptbahnhofs und dem verrufenen angrenzenden „Bonner Loch“, dem Zugang zu den U-Bahn-Linien mit Unterführung zum Bahnhof.

Ich kann mich gar nicht an eine Zeit erinnern, in der das Ganze mal „schön“ war oder in einer guten Weise „funktioniert“ hat. Der ganze Komplex war schon in meiner Jugend lediglich bekannt als Treffpunkt für Drogenszene, Obdachlose, Alkoholiker und die kleinen Läden, die ursprünglich mal Leben in die versifften unterirdischen Passagen bringen sollten, waren schon damals im besten Fall abgewrackte Pizza- oder Dönerbuden. Oft standen Ladenflächen aber einfach leer.

Derzeit läuft der Abriss auf Hochtouren. Von der Südüberbauung neben dem Busbahnhof ist fast nichts mehr übrig, das „Bonner Loch“ ist noch unangetastet von den Baggern. Bis zum Abriss ist der Platz aber immerhin ein bisschen freundlicher geworden: Ende Mai hat eine Gruppe junger Künstler der Alanus Hochschule für Kunst unter dem Titel „Bonner Luftloch“ den Platz mit Einverständnis der Stadt und Unterstützung durch einige Bonner Geschäfte künstlerisch verschönert. Das größte Werk ist dabei ein „Wasserfall“, der in einer aufgemalten Wasserfläche endet. In ihr spiegelt sich (ebenfalls aufgemalt) der blaue Himmel. Am meisten beeindruckt hat mich allerdings das Gemälde von „APHE“ (Olli Hollatz). Es zeigt eine alte Frau, die auf einer Kuckucksuhr reitet und ist vielfältig interpretierbar.

Graffito von APHE am "Bonner Loch" seit Mai 2017.

Eins noch zur Neubebauung, denn auch das ist irgendwie wie immer und überall: Es ist nicht zu erwarten, dass das Neue nachhaltiger sein wird als das Alte. Und da ich der Presse entnehme, dass ein großer Teil des neuen Baus ausgerechnet an Primark vermietet werden soll, dann weiß ich, dass die Bonner Entscheider nichts aus den Fehlern der anderen Städte gelernt haben. Aber so produziert halt jedes Jahrzehnt seine eigenen Bausünden und jede Stadt wiederholt die Fehler der anderen statt daraus zu lernen.

Urban Art im Detail im "Bonner Loch" im Juni 2016.

Einen guten Artikel zu den Graffiti am Bonner Loch findet man beim Bonner General-Anzeiger unter diesem Link.

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