Urbanes und Halburbanes auf der ART.FAIR 2016

28. Oktober 2016 at 14:20

Kay Schwarz auf der Cologne ArtFair 2016Die jährlich stattfindende ART.FAIR in Köln ist Deutschlands drittgrößte Kunstmesse. Mit Deutschlands größter und zugleich ältester Kunstmesse, der ART Cologne hat sie eher wenig gemein. Außer vielleicht, dass sich die 2003 ins Leben gerufene „Gegenveranstaltung“ so weit etabliert hat, dass sie seit einigen Jahren ebenfalls in den Hallen der Kölner Messe stattfindet.

Und „etabliert“ ist das Stichwort, denn was hat eine große Kunstmesse mit meinem Blog zu tun? Viel: Zahlreiche Künstler, formerly known as Street Artist | Urban Artist, finden sich heute von Galerien vertreten auf der Messe wieder.

Die ART.FAIR besteht eigentlich aus zwei Komponenten: In der ersten (unteren) Messehalle befindet sich die „Bloom“, der für mich spannendere Teil der Veranstaltung. Hier gibt es die neue, die junge Kunst zu bestaunen und zu erwerben. Die Künstler sind meist selbst anwesend, von Galerien sind sie oft noch gar nicht vertreten. Im Folgejahr sieht das meist anders aus, denn in Halle 2 stellen rund 100 Galerien aus ganz Europa und zunehmend aus Asien ihre aktuellen Künstler aus. Und die suchen natürlich auch nach interessantem Neuem.

Was mich Jahr für Jahr fasziniert, ist diese scheinbare Gleichzeitigkeit von bestimmten Motiven, Arbeitsweisen, Materialien. „Trends“ in der europäischen Kunstszene, die wechseln wie die Mode. In diesem Jahr fallen zahlreiche Kunstwerke ins Auge, die Schnellfeuerwaffen darstellen bzw. verunstalten und noch mehr abstrakte Werke, die auf Superhochglanz geschliffene und polierte lackierte Oberflächen setzen. Auch viele Lichtkunst-Objekte sind zu sehen, wohingegen die vielen großformatigen Fotografien von „Lost Places“, die im letzten und vorletzten Jahr dominierten, vollständig verschwunden, „out“ sind. Diese Orte gibt es maximal noch in der Malerei; da scheint mir darüber hinaus der Trend zum Superrealismus ungebrochen. Ansonsten überwiegt „Dekoratives“.

Aber zurück zur urbanen Kunst: Siebdrucke von Blek le Rat finden sich bei gleich mehreren Galeristen, „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel ist mit Stencil-Arbeiten und El Bocho mit seinen großen Mädchenköpfen bei JR Gallery zu sehen. Die Amsterdamer Galerie Urban Art Now, die in der niederländischen Metropole Street Art Touren organisiert, hat gleich ganze Stencil-Wände gestaltet, bei Kasten aus Mannheim gibt es unter anderem zahlreiche limitierte Siebdrucke von „Obey“ Shepard Fairey sogar in bezahlbaren Preisklassen zu erwerben.

Den Vogel schießt aber die Münchner Galerie Kronsbein ab: Auf üppig bemessener Standfläche hängen außer Pop-Art-Papst Andy Warhol auch „Mr. Brainwash“ Thierry Guetta, den die Zeitung „Welt“ 2010 immerhin als „Kunstmarktblase“ stempelte, und vor allem jede Menge Banksy-Siebdrucke. Im Gegensatz zu allen anderen Werken auf der Messe ohne Preise. Selbst eine mit viel Informationen zu jedem Bild ausgestattete „Preisliste“ der Galerie kommt ohne Preise aus. Nur auf Anfrage. Im Kölner Stadt-Anzeiger war allerdings von 125.000 EUR für das auf 150 limitierte „Girl with Balloon“ die Rede. Zzgl. MwSt. natürlich.

Die ART.FAIR ist noch bis Sonntag geöffnet. Und danach müssen wir ganz, ganz stark sein: Ab 2017 wechselt die ART.FAIR nach Düsseldorf.

Bild ganz oben: Kay Schwarz, dessen Fassadengestaltungen in Leipzig zum urbanen Stadtbild gehören, wird auf der ART.FAIR durch die Galerie Von und Von vertreten.

Unten eine kleine, überschaubare Bildergalerie zur Urban Art auf der Messe.