Adbusting-Seminare bei ATTAC

29. Oktober 2016 at 13:50

„Adbusting“ als eine Form der Streetart habe ich nun endlich auch in meine Terminologie-Unterseite aufgenommen. Adbusting, also das Zerstören bzw. Umfunktionieren von kommerziellen Werbeflächendurch durch illegale Veränderungen, ist im besten Fall politisch, sozial- oder konsumkritisch, oft überraschend, originell und witzig. Viele werden sich noch an das Überschreiben von Burgerketten-Plakaten mit einfachen Rezepten zum Selberkochen erinnern. Adbusting wie es sein soll: Simpel, genial und hoffentlich kurzzeitig wirkungsvoll.

ATTAC Köln bietet nun Adbusting-Seminare an. Aber auch ein Vortrag mit anschließender Diskussion über „100 Jahre politische Kunst: Von Dada bis Banksy“ wird durchgeführt. Die Veranstaltungen sind sehr gefragt, daher legt ATTAC zur Zeit immer mal wieder neue Termine auf. Es lohnt also mal ein Blick auf die Homepage.

Urbanes und Halburbanes auf der ART.FAIR 2016

28. Oktober 2016 at 14:20

Kay Schwarz auf der Cologne ArtFair 2016Die jährlich stattfindende ART.FAIR in Köln ist Deutschlands drittgrößte Kunstmesse. Mit Deutschlands größter und zugleich ältester Kunstmesse, der ART Cologne hat sie eher wenig gemein. Außer vielleicht, dass sich die 2003 ins Leben gerufene „Gegenveranstaltung“ so weit etabliert hat, dass sie seit einigen Jahren ebenfalls in den Hallen der Kölner Messe stattfindet.

Und „etabliert“ ist das Stichwort, denn was hat eine große Kunstmesse mit meinem Blog zu tun? Viel: Zahlreiche Künstler, formerly known as Street Artist | Urban Artist, finden sich heute von Galerien vertreten auf der Messe wieder.

Die ART.FAIR besteht eigentlich aus zwei Komponenten: In der ersten (unteren) Messehalle befindet sich die „Bloom“, der für mich spannendere Teil der Veranstaltung. Hier gibt es die neue, die junge Kunst zu bestaunen und zu erwerben. Die Künstler sind meist selbst anwesend, von Galerien sind sie oft noch gar nicht vertreten. Im Folgejahr sieht das meist anders aus, denn in Halle 2 stellen rund 100 Galerien aus ganz Europa und zunehmend aus Asien ihre aktuellen Künstler aus. Und die suchen natürlich auch nach interessantem Neuem.

Was mich Jahr für Jahr fasziniert, ist diese scheinbare Gleichzeitigkeit von bestimmten Motiven, Arbeitsweisen, Materialien. „Trends“ in der europäischen Kunstszene, die wechseln wie die Mode. In diesem Jahr fallen zahlreiche Kunstwerke ins Auge, die Schnellfeuerwaffen darstellen bzw. verunstalten und noch mehr abstrakte Werke, die auf Superhochglanz geschliffene und polierte lackierte Oberflächen setzen. Auch viele Lichtkunst-Objekte sind zu sehen, wohingegen die vielen großformatigen Fotografien von „Lost Places“, die im letzten und vorletzten Jahr dominierten, vollständig verschwunden, „out“ sind. Diese Orte gibt es maximal noch in der Malerei; da scheint mir darüber hinaus der Trend zum Superrealismus ungebrochen. Ansonsten überwiegt „Dekoratives“.

Aber zurück zur urbanen Kunst: Siebdrucke von Blek le Rat finden sich bei gleich mehreren Galeristen, „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel ist mit Stencil-Arbeiten und El Bocho mit seinen großen Mädchenköpfen bei JR Gallery zu sehen. Die Amsterdamer Galerie Urban Art Now, die in der niederländischen Metropole Street Art Touren organisiert, hat gleich ganze Stencil-Wände gestaltet, bei Kasten aus Mannheim gibt es unter anderem zahlreiche limitierte Siebdrucke von „Obey“ Shepard Fairey sogar in bezahlbaren Preisklassen zu erwerben.

Den Vogel schießt aber die Münchner Galerie Kronsbein ab: Auf üppig bemessener Standfläche hängen außer Pop-Art-Papst Andy Warhol auch „Mr. Brainwash“ Thierry Guetta, den die Zeitung „Welt“ 2010 immerhin als „Kunstmarktblase“ stempelte, und vor allem jede Menge Banksy-Siebdrucke. Im Gegensatz zu allen anderen Werken auf der Messe ohne Preise. Selbst eine mit viel Informationen zu jedem Bild ausgestattete „Preisliste“ der Galerie kommt ohne Preise aus. Nur auf Anfrage. Im Kölner Stadt-Anzeiger war allerdings von 125.000 EUR für das auf 150 limitierte „Girl with Balloon“ die Rede. Zzgl. MwSt. natürlich.

Die ART.FAIR ist noch bis Sonntag geöffnet. Und danach müssen wir ganz, ganz stark sein: Ab 2017 wechselt die ART.FAIR nach Düsseldorf.

Bild ganz oben: Kay Schwarz, dessen Fassadengestaltungen in Leipzig zum urbanen Stadtbild gehören, wird auf der ART.FAIR durch die Galerie Von und Von vertreten.

Unten eine kleine, überschaubare Bildergalerie zur Urban Art auf der Messe.

Ein ganzer Stencil-Zoo

17. Oktober 2016 at 22:27

„Stencils“ oder „Pochoirs“ sind eine Form der Streetart, bei der Motive mit Hilfe einer Schablone gesprüht werden (siehe auch Terminologie). Stencil-Stars wie wie Blek le Rat, Jef Aérosol oder Banksy sprühen große, aufwändige und teils mehrfarbige Bildmotive mit dieser Technik. Ich möchte hier aber einige kleine, einfarbige und eher simple Beispiele aus Köln zeigen. Denn verteilt über die ganze Stadt finden sich viele Stencils. Mal sind es Sprüche, die mit der Schablone gesprüht werden, mal menschliche Porträts, mal Tiere. Genau genommen kann man, wenn man möchte, einen ganzen Zoo von per Stencil-Technik gesprühten Tieren finden.Streetart in Köln: Verschiedene einfarbige Zebra-Stencils

Zebra, Panda und Dalmatiner sind naheliegend für ein einfarbig schwarz gesprühtes Motiv. Das Zebra links im Bild findet sich am Gottesweg, ist sehr groß und besonders schön gearbeitet. Alle anderen hier gezeigten einfarbigen Tierbilder sind eher klein und daher leicht zu übersehen.Streetart in Köln: Verschiedene einfarbige Tier-Stencils

Streetart in Köln: Verschiedene einfarbige Tier-Stencils von Hirsch über Elefanten bis PinguinenToll fand ich auch immer den großen, mit bunten Lacken auf ein Tor gesprühten Stencil-Tiger in Ehrenfeld. Leider ist das Motiv mittlerweile stark abgeblättert und kaum noch zu erkennen (Foto).Streetart in Köln: Großes Stencil "Tiger"

Hier noch einige weiterführende Links zum Thema:

Stencilrevolution bietet viele Infos zu Street Artists mit Biografien und Bildbeispielen, Tutorials und – etwas kurios – Vorlagen zum selber schneiden.

Stencilboard sammelt Stencil-Fotos weltweit. Leider ist die Seite noch nicht im Web 2.0 angekommen …

Eine riesige Sammlung von fotografierten Stencils findet sich auf auf flickr.

Auf youtube findet man allerlei Anleitungen zum Vorbereiten und schneiden einer Sprüh-Schablone. Ein gutes Video (auf Englisch) ist hier verlinkt.

Neue Ausstellung von Sei Leise

12. Oktober 2016 at 19:53

Vom 21. Oktober bis 6. November gibt es Werke des Kölner Street Artists „Sei Leise“ in einer neuen Ausstellung zu sehen. In den Räumen von KUNST&So, dem ehemaligen „Museum für verwandte Kunst“, kann man neue Arbeiten sehen. Auf Wunsch bekommt man eine Karte ausgehändigt, nach der man im direkten Umfeld des Museums im Belgischen Viertel im Anschluss an den Ausstellungsbesuch die Straßenkunst von „Sei Leise“ draußen, in freier Wildbahn also, entdecken kann.

Paste-up "Mädchen" von Sei Leise in Köln-MülheimFoto: Paste-up in Köln-Mülheim

Siehe auch:
Blog-Eintrag „Der Saubermann“ vom 26.12.2015
Blog-Eintrag „Das Gold liegt auf der Straße“ vom 05.04.2016
Blog-Eintrag vom „Frisch geputzt“ vom 12.04.2016

Die Kuh macht Mooh

11. Oktober 2016 at 20:52

Kommen Freunde, Bekannte und Verwandte aus dem Urlaub zurück, berichten sie mir gerne, was sie am jeweiligen Ort alles an Streetart gesehen haben. So auch die Nachbarin, die jüngst in Portugal war. Auf ihrem Handy zeigt sie mir, was sie in Porto Schönes fotografiert hat. Darunter diese Kuh neben dem hübschen Ausblick auf’s Wasser:
"Mooh" - Kuhgraffiti in Porto, Portugal
„Hab ich schon mal gesehen, die Kuh“, frolocke ich und krame kurz im Gedächnis. „In Köln-Nippes.“ Später krame ich im digitalen Bildarchiv auf dem Rechner und werde tatsächlich fündig. Die gleiche Kuh wie in Porto schaut am Bahnhof Nippes in die Welt (kleines Foto).

"Mooh" - Kuhgraffiti in Köln-NippesAber was hat es mit dem internationalen Rindvieh-Graffiti auf sich? Ist da eine Kuhbalisierung im Gange?!

Eine google-ähnliche Suchmaschine bringt es zutage: Die Kuh heißt „Mooh“ und war bis vor kurzem vermutlich in Minden/Westfalen zu Hause. Dort war in den vergangenen Jahren ein regelrechter Fan-Kult um das gesprühte Tier ausgebrochen. Mit eigener Fanpage, facebook-Fanseite und allerhand Zeitungsartikeln, die sich mit den schwarz-weiß gefleckten Graffiti eines nach wie vor unbekannten Sprayers beschäftigen. Mindestens 160 Kühe wurden bis heute gezählt, teils mit Sprüchen wie „Mut ist Freiheit“ oder „Gegen Zensur“ versehen, manchmal riesengroß und nicht immer nur als Einzeltier.

Der Sprayer nennt sich „John“ oder auch „The Kuhl Kid“, bleibt ansonsten aber unentdeckt.

Nun scheinen Sprayer und Mooh-Kuh ausgewandert: In das nahe Osnabrück. Wie die Neue OZ berichtet, tauchen in der Stadt vermehrt Rinder auf Wänden auf. Die Ausflüge auf die betonenen Weiden von Porto und Köln-Nippes scheinen eher seltene Besuche zu sein.

Einen Beitrag der WDR-Lokalzeit zur Mooh findet man auf youtube unter diesem Link.

New in Town

11. Oktober 2016 at 20:02

Von Nort kannte man in Köln bislang Paste-ups mit Personen-Porträts. Ganz neu sind diese Comic-Figuren. Eine sah ich am Brüsseler Platz, die andere am Barbarossaplatz. Wenn man die Augen offen hält, findet man dieser Tage bestimmt noch einige mehr.

Zwei Comic-Figuren von NORT, als Paste-up geklebt in Köln.