Banksy im Moco Museum Amsterdam

28. September 2016 at 10:00

Drei Werke von Street Artist Banksy im Moco Museum AmsterdamStreetart im Museum? Geht gar nicht. Dazu hatte ich bisher eine sehr feste Meinung, die bestärkt wurde in Gesprächen mit einigen Kölner Street Artists. Und wie könnte es auch funktionieren? Streetart heißt so, weil sie auf der Straße stattfindet, unkommerziell (meistens jedenfalls) und vergänglich (erste Konservierungen wurden schon vorgenommen) ist. Eine Kunst für alle, von unten, jenseits der Akademien (Ausnahmen bestätigen die Regel). Soweit die Theorie mit vielen, schlechten Schriftstil dokumentierenden Klammerungen.

Der Theorie von Streetart widerspricht bereits, dass immer mehr Galerien so genannte „Streetart“ ausstellen und verkaufen. Ist das Anfertigen von Werken für Ausstellungszwecke also noch Streetart? Und wie klein oder groß ist dann überhaupt der Schritt in ein Museum?

Moco Museum AmsterdamSo oder so: Die der Restwelt stets einen Schritt voraus eilende Metropole Amsterdam hat seit April ein neues Museum, das Moco (Modern Contemporary), also eines für zeitgenössische Kunst. Das ist erstmal nicht ungewöhnlich. Bis zu vier Wechselausstellungen pro Jahr soll es geben, gezeigt werden die Großen der etablierten Kunstszene sowie (auch die großen) der Urban Art, die dann wohl – irgendwie – ebenfalls etabliert sind. Und das ist neu. Und funktioniert, ohne dass das Haus, das sich am Museumsplein in direkter Nachbarschaft zu den weltbekannten Häusern wie dem Rijks- und dem Van-Gogh-Museum befindet, eine eigene Sammlung besäße. Es wird ausschließlich mit Leihgaben gearbeitet.

Die Eröffnung wartete dann gleich mit zwei Knallern auf: Neben Pop-Art-Papst Andy Warhol („Royal“ mit 40 Werken) zeigt die erste Ausstellung den Street Artist Banksy („Laugh now“ mit 50 Werken). Der hat’s zwar nicht erfunden, gilt aber als bekanntester seiner Zunft. Und die derzeitige Ausstellung läuft so gut, dass sie nun schon zum zweiten Mal verlängert wurde. Als Finissage wird jetzt der 31.12.2016 genannt.

Wer den Film „Banksy does New York“, der im Moco ebenfalls gezeigt wird, gesehen hat, wird meine Skepsis bezüglich einer Banksy-Ausstellung vielleicht verstehen. Auf mehr oder minder dubiose Arten wurden sich seine Streetart-Werke in New York unter den Nagel gerissen, gestohlen, verschachert, als Spekulationsobjekt missbraucht. Eine ziemlich kranke Kunstszene wurde hier vorgeführt.

Umso versöhnlicher ist der Besuch im Moco. Da ist zunächst einmal diese wunderschöne alte Jugendstil-Villa Alsberg von 1906, die Lionel und Kim Logchies (Lionel Gallery Amsterdam) in privater Initiative zum Moco umfunktionierten. Eine schöne, warme, freundliche Atmosphäre strahlen die alten Räume aus und wie in einem Privathaus hängen die unbezahlbaren Kunstwerke zwischen alten Möbeln, Kamin und modernen, farblich mit den Bildern abgestimmten Sitzgelegenheiten. Zu dieser Gesamt“installation“ fällt mir nur der Begriff „geschmackvoll“ ein.

Niemand möchte, dass ich meinen Rucksack abgebe, Fotografieren ist erlaubt und auch die hier entstandenen Aufnahmen darf ich gerne für meinen Blog verwenden, sagt mir die freundliche junge Dame am Eingang.

Paketbus von Street Artist Banksy im Moco Museum AmsterdamÜberwiegend sind es Werke von Banksy, die explizit für den Kunstmarkt geschaffen wurden, für Sammler. Also keine illegal abgesägten Garagentore oder ähnliches. Und keine abfotografierte Streetart. Sowas hatte ich befürchtet. Natürlich: Das Mädchen mit dem fliegenden Herz, die Affen, die Ratten sind auch zu sehen. Prunkstück ist ein bemalter Paket-Transporter (Bild oben), der in einem eigens errichteten provisorischen Haus-Anbau steht und – so sagt es der Katalog zur Ausstellung – vom jetzigen Besitzer, dem Leihgeber, direkt vom Künstler erworben wurde.

Als Galeristen, die Künstler wie Picasso, Gerhard Richter, Basquiat, Roy Lichtenstein, Jeff Koons, Dalí oder eben auch Banksy und Warhol im Programm haben, haben die Logchies natürlich allerbeste Kontakte zu Sammlern und dürften sich nebenbei rühmen, zu den besten Galerien Europas zu zählen. Auch in der nicht weit vom neuen Museum gelegenen Lionel Gallery gab es schon Banksy-Ausstellungen. Das Moco ist also nur die konsequente – und gelungene – Fortsetzung der Galerie. Ich jedenfalls bin gespannt auf weitere Ausstellungen, auch wenn der Begriff „Streetart“ hier eher unangebracht ist.

Bild unten: „Beanfield“, ein 4 x 3 Meter großes Gemälde von Banksy, stammt aus einer privaten Sammlung.

Bild "Beanfield" von Street Artist Banksy im Moco Museum Amsterdam

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