Kunst vs. Kommerz

18. Juli 2016 at 17:26

Grace Jones - Wandgemälde von Martin Bender in Köln

Die Wandgemälde von Martin Bender mag ich sehr. Über die neuen Murals, die im Mai in Köln entstanden, habe ich mich gefreut (siehe Blog-Beitrag vom 12.5.). Ok, es sind Auftragsarbeiten, aber das ändert für mich nichts an ihrer Strahlkraft. Überpinselt den Hashtag der jetzt ohnehin in der Vergangenheit liegenden Veranstaltung und gut ist …

Kommerzielles Werbegraffito in KölnDenkste. In der Heliosstraße, wo Bender ein Grace-Jones-Porträt angebracht hat, hat ein erboster Kunstliebhaber ein Statement hinterlassen (siehe Foto). Ich übersetze mal kurz in Schönschrift und grammatikalisch korrekt: „Wir wollen Kunst ohne Kommerz, nicht Scheiß ohne Herz.“ Das bezieht sich vermutlich zum einen auf Benders Auftragsarbeit, zum anderen aber todsicher auf die großflächige Bemalung daneben, die für einen längst im Orbit verschwunden geglaubten Lolli wirbt und auch sonst an derbe Plakativem von Dom über Hennes bis Colonius nicht spart (kleines Bild/kann durch Anklicken größer dargestellt werden).

Für die beiden als bezahlte Werbeflächen bemalten Wandteile musste übrigens ein Mural von Pau Quintanajornet weichen, das – wesentlich unkommerzieller – im Rahmen des CityLeaks Festivals 2011 entstanden war.

Die beiden Bilder mit den kleinen Mädchen, die Frau Jones links und rechts unten auf der Wand flankieren, gehören übrigens nicht zur Werbung. Sie stammen von SeiLeise, der – farblich passend – dem „Kommerz“ damit zwei von niemandem bestellte oder bezahlte Paste-ups hinzufügte oder entgegen stellte – je nach dem, wie man das bewertet.

Past-up von Ass-Soxx in Köln.Der Kölner gibt sich nicht mit dem reinen Betrachten von Streetart zufrieden. Zu meinem großen Amüsement wird auch bewertet und kommentiert. Ein schönes Beispiel findet sich zur Zeit am Brüsseler Platz: Unter dem Pseudonym „Ass-Soxx“ (einfach mal in eine google-ähnliche Suchmaschine eingeben) klebt jemand seit Jahren gezeichnete Manga-Mädchen auf die Wände, die im besseren Fall überaus freizügig, im unschöneren Fall aber pornografisch dargestellt sind. Die zu beanstandenden Stellen werden regelmäßig von Passanten überklebt oder beschädigt. Hier hat jemand aber noch einen passenden Kommentar hinterlassen: „Leute mit offenem Arsch haben wir hier genug.“

Dem ist wenig hinzuzufügen.

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