Tankman und Neustart in Ehrenfeld

8. Juli 2016 at 16:25

Mural von Captain Borderline in Köln: Tankman

In Sachen „Streetart“ ist Ehrenfeld auf alle Fälle einer der Hotspots in Köln. Hier findet man die meisten und die tollsten Murals, zahllose Paste-ups, Stencils, Graffiti. Einige habe ich in meinem Blog bereits vorgestellt. Dazu kommt eine hohe Dichte von Künstler-Ateliers, die bedingt ist durch die Struktur des alten Arbeiterstadtteils mit seinen vielen ehemaligen Hinterhofwerkstätten. Allerdings ist der Stadtteil auch recht weitläufig und der Mensch neigt ja dazu, immer die gleichen Straßenzüge zu besuchen.

Diese Woche war ich nach langer Zeit mal wieder in einer Ecke Ehrenfelds unterwegs, die nicht so stark frequentiert ist und – ehrlich gesagt – nach wie vor auch wenig einladend daherkommt: Rund um den Kunstverein artmx mit seinem Atelierzentrum (artmx ist auch Organisator des großen Urban Art-Festivals CityLeaks) und des Ehrenfelder Teils der Rheinischen Fachhochschule/RFH. Die artmx-Fassade mit ihren Wandgemälden in unterschiedlichen Stilen ist nicht zu übersehen.

In direkter Nachbarschaft von artmx und RFH findet man ein fantastisches Wandbild der Captain Borderline Crew (Abbildung oben), über die ich schon mehrfach berichtet habe. Im Kölner „China-Jahr“ 2012 entstanden „Tankman“ und weitere politische Wandgemälde in Zusammenarbeit mit Amnesty International und Colorrevolution e.V. als Kritik an der chinesischen Regierung. Das nur auf den ersten Blick naiv-fröhliche Bild „Tankman“ erstrahlt in poppig-frischen Farben wie am ersten Tag und beeindruckt ungemein. Das Bild zitiert das berühmt gewordene Foto vom Tian’anmen-Platz in Peking, wo sich im Juni 1989 ein einzelner Mann mit Einkaufstüten in der Hand der anrückenden Panzerkolonne in den Weg stellt. Im Kölner Wandgemälde sind es Tüten mit Fair Trade-Symbol und der alles überrollende Panzer ist gespickt mit billigem chinesischen Plastikspielzeug. „Made in China 1989“ steht auf bunten Bildschirmen auf seiner Front.

Stencil und Schmierereien an der ecosign Akademie KölnNicht weit entfernt residiert die ecosign Akademie für Gestaltung in zwei zusammengelegten alten Industriegebäuden. Natürlich lässt es sich auch die Designschule nicht nehmen, großflächig die Wände der Einfahrt zu gestalten. Unter dem Titel „Neustart“ kann man mannshohe, in Stencil-Technik gesprühte Figuren sehen und allerhand „gute“ Ratschläge zum Thema Umwelt und Natur lesen. Beispiel: „Bieten Sie Ihrem Nachbarn an, aus seinem Garten eine Monokultur zu machen.“

Ehrenfelder Sprayer haben die Figuren bereits auf ihre Art mit Tags und Sprechblasen „verschönert“ (kleines Foto).

Stencils an der ecosign Akademie Köln