Der letzte Held der politischen Wandmalerei

10. Mai 2016 at 16:53

Wandgemälde von Klaus Paier (1945-2009) in Köln: Schlacht an der Elsaßstraße

2009 starb in Köln der Graffiti-Künstler Klaus Paier (*1945 in Essen), den Bernhard van Treek, Autor mehrerer Werke über Streetart, als „letzten Helden der politischen Wandmalerei“ bezeichnet hatte. Das ist nicht ganz zutreffend, denn Wandbilder sind auch heute noch oft politisch geprägt. Nicht nur in Südamerika, wo die Muralismo-Bewegung ihren Ursprung hatte, auch in Deutschland dienen Murals nicht ausschließlich der Verschönerung des öffentlichen Raumes. Aus Köln ist besonders das Captain Borderline Kollektiv zu nennen, das mit Wandgemälden und Installationen politische und gesellschaftskritische Themen verarbeitet.

Wandgemälde von Klaus Paier (1945-2009) in Köln: Mann in GelbKlaus Paier war mit seinen Bildern einer der Vorreiter der Streetart-Bewegung. Zunächst seit 1978 in Aachen, wo er Physik studiert hatte, später dann in Köln malte er im Schutz der Dunkelheit seine stets eckig wirkenden Figuren und Szenen auf triste graue Wände. Es ging um Atomkraft, Faschismus, Immobilienspekulanten. Themen, die also nach wie vor hoch aktuell sind. Paier war noch mit Pinsel und Farbe unterwegs, ohne Sprühdose. Als „Aachener Wandmaler“ fand er Eingang in die Kunst-Welt.

Die meisten seiner über 100 Werke sind längst verschwunden; übermalt, weggeätzt, abgerissen oder einfach dem Verfall preisgegeben. Die wenigen erhaltenen scheinen immerhin einigen Paier-Enthusiasten und Kunstfreunden schützenswert. In Aachen wurde schon vor längerer Zeit sein „Liebespaar“ unter Denkmalschutz gestellt. Weitere sollen dort folgen.

In Köln wurde Klaus Paier ab Anfang der 80-er Jahre bekannt, konnte sogar einige Wände ganz offiziell bemalen. Auch hier ist allerdings nach über 30 Jahren nicht allzu viel erhalten. Drei Paier-Wandgemälde habe ich aktuell an öffentlich sichtbaren Wänden gefunden:

Das bekannteste Paier-Gemälde in Köln ist „Die Schlacht an der Elsaßstraße“ (großes Bild oben), 1983 auf die Wand des Hochbunkers in der gleichnamigen Straße der Südstadt gemalt. Es greift eine Begebenheit aus dem Jahr 1933 auf, als SA-Truppen, die die Machtübernahme durch die Nazis mit einem Umzug feiern wollten, von den Bewohnern der Straße aus den Fenstern mit allem beworfen wurden, was an Hausrat als Wurfmaterial dienlich schien: Vom Nudelholz über Blumentöpfe bis zum Nachttopf war alles darunter. Über 70 Bewohner wurden festgenommen, Wohnungen verwüstet.

Dieses Werk von Klaus Paier bleibt leider nicht vom Vandalismus durch Sprayer verschont. Ansonsten achten die Anwohner bis heute sehr darauf, dass es nicht komplett unter die Räder kommt oder gar entfernt wird. Auch das war seitens der Stadt schon mal geplant.

Wandgemälde von Klaus Paier (1945-2009) in Köln: Afrika brennt

Aus Paiers Zyklus „Südafrika brennt“, ebenfalls aus den 80-er Jahren, ist mindestens noch ein Werk in Köln erhalten: Auf einem Abrissgelände im Belgischen Viertel fand ich dieses Bild von einem angebundenen Mann, auf den ein zähnefletschender Hund losgelassen wird. – Und nicht zuletzt der Mann in Gelb (kleines Foto) ist seit vielen Jahren für jeden sichtbar, der auf der Luxemburger Straße unterwegs ist.