Das Gold liegt auf der Straße

8. April 2016 at 11:47

Coole Kids: 2 Paste-ups von Marshal Arts in Köln-MülheimKulturbunker Mülheim, Mittwoch am späten Nachmittag: Außen sind schon einige neue Paste-ups zu bewundern, frisch angebracht (Bild oben), innen ist „Straßengold“ Initiator Tim Ossege mit einigen Helfern fleißig beim Aufbau der Ausstellung, die am Samstag offiziell öffnet und Werke von 27 Street Artists präsentieren wird, die nach und nach eingetroffen sind. Auf dem Boden liegen noch gestapelte Paste-ups und Kleinwerke, die im Stadtraum oder hier in der Ausstellung angebracht werden sollen. Manche Bilder kamen per Post, viele werden von den Künstlern aus ganz Deutschland selbst vorbei gebracht, die dann gleich die Gelegenheit nutzen, an den Kölner Streetart-Hotspots in Mülheim, Ehrenfeld oder im Belgischen Viertel noch ein paar neue Sticker oder Paste-ups zu kleben.

Tim Ossege, Macher der "Straßengold"-Ausstellung in Köln-MüllheimTim Ossege ist selbst Street Artist. Als „Sei leise“ verschönert er seit Jahren das Stadtbild nicht nur von Köln mit Reverse Graffiti und Paste-ups. Er kennt die Szene, die gut vernetzt ist und sich rege austauscht und kann daher einige der umtriebigsten Künstler der Kunstform „Streetart“ präsentieren. Neben Sei leise selbst sind 1zwo3, fox, Joiny, pdot, Mista Sed, Sergei Kravinoff the Hunter, KSA, Señor Schnu, Tuk, ROLFI, Dr. Fuchs, Leo Leander, Robithedog, Eins A CE, HNRX, Mein Lieber Prost, Smile, lazy65, xxxhibition, TAR CGN, Lapiz, Mariestyle Art, Heroart, Planet Selfie, Marshal Arts und Rude angekündigt.

Streetart in einer Ausstellung? Es gibt bereits Galerien, die sich darauf spezialisiert haben. Und schon ist vom Bau der ersten beiden Museen für Streetart zu lesen. Da schütteln nicht nur viele Künstler den Kopf. Irgendwer hat da irgendwas nicht verstanden: Streetart ist vergänglich, muss es geradezu sein, denn das ist Teil ihres Charakters. Wie der Name schon sagt, findet sie normalerweise draußen statt, wo sie Wind und Wetter so lange trotzt, bis sie sich auf- und abgelöst hat, entfernt oder überklebt und überpinselt wird. Ein Museum, das diese Kunstform „konservieren“ möchte, ist da regelrecht widersinnig, folgt aber natürlich dem großen Hype, der um die Streetart seit einiger Zeit gemacht wird, so dass sie schon längst Eingang in die stets dem neuesten „heißen Scheiß“ nachlaufende Werbeindustrie gefunden hat.
Ausstellung "Straßengold" im Kulturbunker Mülheim - Innenraum
Da Künstler auch leben müssen und sie daher gezielt Werke auf Papier, Holz, Leinwand und sogar Betonplatte anfertigen, die den Weg über Galerien an die heimischen Wände von Sammlern oder Liebhabern finden, finde ich absolut legitim. Die Ausstellung „Straßengold“ geht aber noch mal einen anderen Weg: Zum einen bleibt die Verbindung zur Straße bestehen, da gleichzeitig im Kulturbunker und auf den Wänden der Stadt neue Werke der beteiligten Artists zu finden sind. Neue Paste-ups draußen werden mit einem QR-Code versehen, so dass interessierte Passanten endlich die Möglichkeit haben, etwas über die Urheber zu erfahren. Zum anderen sind die Werke in einer google map verzeichnet. Sie soll Interessierte zu einer Art „Schnitzeljagd“ auf Streetart verführen und den Betrachter diese Kunstform in ihrer „natürlichen Umgebung“, der Straße, erleben lassen. Dabei ist das Wiedererkennen von bestimmten Stilen, Künstlern und Streetart-Formen, die man zuvor in der Ausstellung gesehen hat, durchaus gewünscht.

Samstag, 9.4.: Vernissage ab 19.00 Uhr im Kulturbunker
10.4.-17.4.: Ausstellung im Kulturbunker
Es ist täglich (bis auf den 16.4.) zwischen 15.00 Uhr und 21.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Am 16.4.2016 gelten zur Mülheimer Nacht gesonderte Öffnungszeiten und Konditionen.
17.4.: Finissage ab 17.00 Uhr mit Streetart-Versteigerung zu Gunsten der Refugees Foundation e.V.

Großes Foto oben: Neue Paste-ups am Kulturbunker von Marshal Arts (Hamburg).
Großes Foto Mitte: Ein Blick in die Ausstellung zeigt die künstlerische und technische Qualität der Ausstellenden wie hier z.B. von Mista Sed. Die zusammengekehrten Dollarnoten in der Ecke wie auch aufgehäufte Fake-Goldbarren sollen deutlich machen, dass es in der Streetart eben nicht um’s Geld geht. Die Werke auf der Straße verschenken sich quasi an den Betrachter, ohne dass er sie besitzen kann. Es ist „Straßengold“.
Kleines Foto: Tim Ossege, besser bekannt als „Sei leise“, vor seinen auf Holz aufgebrachten Werken in der Ausstellung.

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