Stencils only in Düsseldorf

27. Februar 2016 at 10:35

„Stencils only“ heißt eine neue Ausstellung, die gestern in der Düsseldorfer Galerie Pretty Portal eröffnete und noch bis zum 25.3. zu sehen ist. Gezeigt werden in Stencil-Techik hergestellte Kunstwerke von ICY & SOT, EMESS, FAKE und L.E.T.

(An den Wochenenden leider geschlossen.)

Decodieren erwünscht

27. Februar 2016 at 10:23

Von debug visuals gestaltetes Haus auf der Zülicher Straße in Köln: Kneipe "Stiefel"„Debug Visuals“ sind die Kölner Künstler Sebastian Karbowiak aka Daiker und Pierre Galic aka Morbit. Sie sehen sich und ihre Arbeit „an der Schnittstelle zwischen Grafikdesign, Urban Art und multimedialen Installationen“. Sehr präsent im Kölner Stadtbild ist ihre Fassadengestaltung für die Kult-Kneipe „Stiefel“ (Foto oben), die das Haus auf der Zülpicher Straße, mitten im so genannten „Kwartier Latäng“, seit 2010 ziert. Von debug visuals gestaltete Hausfassade (Mural) in der Kölner Hansemannstraße: "You decode - therefore I am"

Auch in der Ehrenfelder Hansemannstraße findet man Großflächiges von den beiden: 2013 bemalte zunächst Sebastian Karbowiak den Giebel mit einem Werk namens „Das kaputte Pferd“. Oben links sieht man ihn bei der Arbeit. Kaum war es fertig, übermalte es Pierre Galic mit einem riesigen QR-Code, der heute noch auf der Mauer zu sehen ist. Der Code führt zu einem Download mit der Abbildung des ursprünglichen Gemäldes. „You decode – therefore I am“ nannte das Debug Visuals Duo ihr Werk.

Die Mediathek des WDR hält ein kleines Video über die Bemalung eines Privathauses durch Debug Visuals in Monheim bereit.

Sebastian Karbowiak und Pierre Galic sind auch solo als Künstler in Sachen Grafik, Fassaden- und Bühnenmalerei aktiv.

Eine Liebesgeschichte

23. Februar 2016 at 18:15

Diese Streetart-Geschichte spielt mal nicht in Köln und es ist auch kein Kölner Künstler beteiligt. Aber ich möchte sie gern erzählen, weil sie so schön ist.

Einer der ersten Graffiti-Künstler in Frankreich und Vater der Stencil-Technik ist Xavier Prou, besser bekannt als „Blek le Rat„. 20 Jahre vor Banksy machte er genau das, wofür Banksy heute weltberühmt ist: Er sprühte schon vor über 30 Jahren Stencils an Wände. Die schwarzen Ratten, die Banksy (und nachfolgend auch andere Street Artists) auf Hauswände aufbringen, sind eine Hommage an Blek le Rat, der sie seit 1981 sprüht. „Rat“ als Anagramm von „aRt“.

Spezialisiert hat sich Prou auf lebensgroße, aussagekräftige Stencils. Nach einer Verhaftung wegen Sachbeschädigung 1991 arbeitete er vermehrt mit vorgefertigten Paste-ups und heute sprüht er nur noch legal. Eins seiner berühmt gewordenen Motive ist die „Frau mit Kind“, die an Caravaggios Madonna erinnert, ein tanzendes Paar und seit 2005 auch eine Serie von Obdachlosen und Bettlern, die er liegend, stehend oder auf dem Gehweg sitzend abbildet, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Stencil von Blek le Rat, Originalzustand 1991. Foto: Sybille Prou1991 sprühte Xavier „Blek le Rat“ Prou seine „Frau mit Kind“ im Nachwende-Leipzig. Daneben schrieb er „Pour Sybille“. Jene Sybille aus Leipzig war seinerzeit seine Freundin und bald darauf seine Ehefrau. Sie haben einen inzwischen erwachsenen Sohn, der übrigens im Ruhrgebiet studiert. Diese Liebesgeschichte ging also gut aus. Das Stencil in Leipzig aber wurde bald vergessen, da es über 20 Jahre lang immer wieder unter neuen wild plakatierten Flächen verwand. Erst 2012, als das Gebäude in der Leipziger Südvorstadt saniert werden sollte, kam es unter Schichten von Beklebungen wieder hervor. Aber wäre damals nicht zufällig Maxi Kretzschmar an den Bauarbeiten vorbei gekommen, wäre es der Sanierung zum Opfer gefallen. Die junge Frau erinnerte sich nämlich an das Werk von Blek le Rat, als es noch neu war. Als Kind war sie auf ihrem Schulweg immer daran vorbei gelaufen. Dass sie heute selbst Kunst- und Kulturmanagerin ist und den Schatz, der da zutage kam, gleich einordnen konnte, ist ein weiterer wunderbarer Zufall (Fotos: Zustand während der Bauarbeiten 2012, Dank an Maxi Kretzschmar).
Das Stencil von Blek le Rat nach seiner Wiederentdeckung 2012. Fotos: Maxi Kretzschmar
Maxi Kretzschmar setzte alles in Bewegung, um das Bild zu erhalten. Mehr noch: Xavier Prou erneuerte das etwas verblichene Werk 2012 und 2013 wurde es ganz offiziell unter Denkmalschutz gestellt. Eine Plakette wurde angebracht und eine Plexiglasscheibe soll seither das Bild schützen.

Nun kann man einwenden, dass Streetart gar nicht für die Ewigkeit gedacht ist, dass das Vergängliche Teil der Kunst ist. Aber die Leipziger „Frau mit Kind“ ist das älteste im öffentlichen Raum erhaltene Bild von Blek le Rat und vermutlich eines der ältesten erhaltenen Stencil-Werke überhaupt. Es überlebte die Jahrzehnte aufgrund vieler Zufälle und erzählt dazu eine wunderbare Liebesgeschichte.

Also stand ich vor kurzem in Leipzig auf der Karl-Liebknecht-Straße vor der Hausnummer 7 und war … tief enttäuscht. Das Bild, das sich mir bot, war dieses:
Als Kulturgut geschütztes Stencil von Blek le Rat in Leipzig. Zustand im Februar 2016 mit beschmierter Schutzscheibe.
Das Haus ist top saniert, wie fast alle Gebäude im Stadtteil, aber die Plexiglasscheibe, die das Stencil von Blek le Rat schützt, ist beschmiert und wild beklebt, so dass man das Wandgemälde gar nicht sehen kann. Irgendwie ist es ein bisschen so, wie es in den 20 Jahren vor der Wiederentdeckung war. Aber dieses Mal wird das Bild sicher nicht vergessen, dafür wird Leipizig schon sorgen. Ich bin gespannt, ob ich bei meinem nächsten Besuch in dieser tollen Stadt mehr sehen kann.

Kleines Foto:
Pour Sybille, Zustand des Stencils von Blek le Rat 1991, Foto von Sybille Metze-Prou

Sybille Metze-Prou, die in Köln Kunst studierte, hat ein Buch über die Arbeit ihres Mannes („Blek Le Rat: Getting Through the Walls“) und zusammen mit Streetart-Kenner Bernhard van Treek eines über Stencils („POCHOIR – Die Kunst des Schablonen-Graffiti“) veröffentlicht.

Ein umfangreicher Artikel im Vangardist gibt Einblicke in die Biografie von Xavier Prou und seine Motivation, Streetart zu machen.

Treibholz

22. Februar 2016 at 14:44

Noch vor kurzem sah man von den Poller Wiesen nicht viel, denn der Rhein führte Hochwasser und die Wiesen gegenüber dem modernen Rheinauhafen waren üerschwemmt.

Poller Wiesen nach dem Hochwasser mit Treibholzskulpturen.

Wie immer, wenn das Rhein-Wasser zurück geht, hinterlässt es allerhand Treibgut. Passender müsste es Treibschlecht heißen, denn das Rheinwasser hinterlässt ziemlich viel Müll. Dazwischen immer wieder Holz, Treibholz, das sich an der Kante sammelt, an der das Wasser zuletzt stand. Man sieht das auf dem Foto recht deutlich.

Nach dem Rückgang des Wassers hat jemand auf den noch sumpfigen Wiesen über eine weite Distanz allerhand flüchtige Sulpturen aus dem Treibholz zusammengestellt. Die linke in meinem Bild erinnert sogar ein bisschen an die Kranhäuser gegenüber.

Der nächste kräftige Wind düfte das aufgeschichtete Treibholz wieder auf den feuchten Boden der Tatsachen bringen.

Streetart im Ruhrgebiet

18. Februar 2016 at 17:42

kunstgebiet.ruhr, ein digitaler Kunstführer für das Ruhrgebiet, zeigt auf einer Unterseite ausgewählte Streetart-Werke und gibt Informationen über die Entstehung, Machart, Größe und natürlich die Künstler (soweit bekannt). Top!

Streetart mit Aussage

17. Februar 2016 at 18:45

Paste-up von "Louva must die": Beauty has no standardsLouva must die“ nennt sich die Anfang 30-jährige, die seit acht Jahren Streetart macht. Weil es ihr einfach ein Bedürfnis, eine Leidenschaft ist, wie sie mir erzählt. Und sie möchte sich abgrenzen von denen, die auf den Streetart-Zug aufspringen, weil es gerade hip ist. Louva möchte etwas aussagen mit ihren Werken, das wird schnell deutlich. Es geht ihr nicht um schöne bunte Bilder.

Unter der Zufahrt zur Brücke in Köln-Mülheim findet man besonders viele kleine Werke von Louva. Sie wurden im Rahmen des Straßengold-Projekts im CityLeaks-Festival 2015 geklebt. Zuerst aufgefallen ist mir Louva aber mit dem recht großen Paste-up „Beauty has no standards“, das zu einer ganzen Porträt-Serie mit Männern und Frauen verschiedenster Ethnie gehört. Das Porträt der First-Nations-Frau findet man im Mülheimer Schanzenviertel.

Die in Nordhessen beheimatete Louva hinterlässt hauptsächlich Stencils. Ihr Vorbild ist – wie für viele Street Artists – Banksy. In einem umfangreichen Interview mit face2face erklärt sie u.a. ihre Sicht auf (illegale) Graffiti und Streetart, als „die letzten halbwegs subversiven Bastionen der Kunst“.

Drei kleine aufgeklebte Werke der Street Artistin "Louva must die" in Köln

Robi der Schweizer

15. Februar 2016 at 16:38

Paste-up von Robi the Dog in der Brüsseler Straße, KölnViel kann man leider nicht in Erfahrung bringen über den Kreateur all der bunten Bildchen, die mit „Robi the Dog“ unterzeichnet sind. Ein Schweizer soll es sein, der lange Jahre als Graffiti-Writer unterwegs war und auch Musik macht. Selbst die ansonsten gut informierte Seite Straßengold, die Künstler vernetzt und Interessierten einen Wegweiser durch den Streetart-Dschungel weist, zeigt lediglich drei Bildbeispiele seiner sauber hergestellten Paste-ups.

In Köln finden sich immer mal wieder neue Bilder von ihm und wenn „Robi“ irgendwo unterwegs ist, dann tauchen quasi über Nacht sehr viele Werke von ihm auf. Man findet seine kuriosen Tier- und Menschenbilder, von denen ein großer Teil thematisch in eine fremde und dennoch faszinierende Jahrmarkt- oder Varietéwelt einzuordnen ist, derzeit in vielen Straßen des Belgischen Viertels, rund um die Körnerstraße in Ehrenfeld und auf dem Friesenwall. Auch auf der Berliner Straße in Mülheim habe ich schon eins entdeckt.

Die Collage und auch das kleine Foto (kann durch Anklicken vergrößert werden) zeigen eine kleine Auswahl der Bilder von Robi the Dog, die ich in den letzten Wochen und Monaten in Kölns Straßen gefunden habe.

Verschiedene Paste-ups von Robi the Dog 2015-16 in Köln

Illu16 in Köln

15. Februar 2016 at 11:06

Zum dritten Mal findet in Köln das Illustratoren-Festival statt. Termin ist der 23.–26. März, Ort die Michael Horbach Stiftung in der Südstadt.

Das reich bestückte Programm umfasst Ausstellungen, Vorträge und natürlich viele Begegnungen mit den Künstlern. Besonders hinweisen möchte ich auf den toll bebilderten Vortrag meines lieben Freundes Tillmann Courth am Donnerstag, 24.3., von 17.00 bis 18.30 Uhr mit dem Titel „The Good, the Bad and the Very Ugly“. Tillmann ist ein Experte auf dem Gebiet der super trashigen 50-er Jahre US-Horrorcomics und weiß sie – als ehemaliger Kabarettist und Kleinkunst-Conférencier – ebenso kurzweilig wie lustig zu präsentieren.

Kunst vom Kampfkünstler: Marshal Arts

12. Februar 2016 at 16:05

Wenn man viel durch die Stadt läuft und dabei auf Streetart achtet, macht man früher oder später kleine Serien aus. Ich habe da so meine Favoriten: Beispielsweise kurznachzehn, Robi the Dog oder Marshal Arts sind Künstler, die – auch technisch – hervorragende Paste-ups in Köln hinterlassen haben und hoffentlich weiter hinterlassen.

Ein Motiv von Marshal Arts war mir zuerst unter der Zufahrt zur Mülheimer Brücke aufgefallen. Die völlig versifften und zugemüllten, aber immerhin regengeschützten Orte beiderseits der Brücke haben sich zu einer Art Open-Air-Galerie für Streetart entwickelt. Später entdeckte ich dort ein zweites Motiv von Marshal Arts und bei einer anderen Tour noch eines in der Ehrenfelder Lichtstraße.

Drei Paste-ups mit Kindermotiven vom Hamburger Künstler Marshal Arts in Köln

Marshal Arts kommt aus Hamburg und war, wie man lesen kann, mal Kampfsportler (daher der  Name, der nach „Martial Arts“ klingt). Seine in Stencil-Technik hergestellten, sehr auffälligen Paste-ups zeigen nicht nur coole Kids, wie meine drei Beispiele, sondern häufig die Helden seiner eigenen Kindheit: Michael Jackson, Bruce Lee, James Dean oder Frida Kahlo werden in ironischer Weise (Frida beispielsweise sitzt recht lässig auf eiem Skateboard) dargestellt.

Marshal Arts engagiert sich, wie andere Hamburger Artists, in der St. Pauli Street Art School, die 2015 ihre Pforten öffnete.

Fliegende Augen und bunte Mädchen

11. Februar 2016 at 18:23

Drei Motive aus der Street Art, die Überwachungskameras zeigen.

Dass Street Artists, die meist halblegal oder illegal und im Verborgenen arbeiten, und Überwachungskameras keine Freunde sind, ist eigentlich klar. Einige machen die Kamera als solche sogar zum Motiv. Hier drei Beispiele (v.l.n.r.):
Stencil von ATS auf dem Gottesweg, Paste-up von Sei leise auf der Vogelsanger Straße, Paste-up von El Bocho auf der Marienstraße.

Sei leise verwendet das Motiv mit der fliegenden Kamera (Ufo-Kamera) auch bei seinen Reverse Graffiti (siehe Foto im Blog-Eintrag vom 26.12.2015).

Wandgemälde von El Bocho aus der "Citizens"-Reihe in Köln-EhrenfeldZu dem Paste-up mit den beiden Kameras (die im übrigen „Kalle“ und „Bernd“ heißen) von El Bocho gehören normalerweise noch eine bis zwei Sprechblasen. Kalle und Bernd führen auf den Wänden, auf denen sie kleben, nämlich gern kleine Unterhaltungen über ihr Dasein und das, was sie auf der Straße so sehen. Bei dem Exemplar in der Marienstraße sind die Sprechblasen aber irgendwie seit Anbringen des Motivs 2011 abhanden gekommen.

Von El Bocho, einem ausgebildeten Illustrator, der als Künstler den Sprung in weltweite Ausstellungen geschafft hat, gab es in Köln über die Jahre zahlreiche Motive. Besonders bekannt sind seine „Little Lucy“ und die riesengroßen, sehr bunten, „Citizens“ genannten Porträts junger Hipster-Mädchen. Im Belgischen Viertel und bei Heinz Gaul an der Vogelsanger Straße findet man noch die Reste der großen Paste-ups. Schon eher für die Ewigkeit gedacht und darum gut erhalten ist das mehrere Meter hohe Gemälde am Bahnhof Ehrenfeld, ebenfalls aus der „Citizens“-Serie (kleines Foto).