Ausgerechnet Bananen

21. Januar 2016 at 19:10

Von Thomas Baumgärtel gesprayte Banane und als "ungültig" erklärte Banane

Als Thomas Baumgärtel (Jahrgang 1960) vor 30 Jahren, während seines Kunststudiums in Köln, anfing, die charakteristische gelb-schwarze Banane in Stencil-Technik zu sprühen, war nicht abzusehen, was sich daraus entwickeln würde. Das Motiv war inspiriert von der noch mal 20 Jahre älteren Banane, die ein Plattencover von „Velvet Underground“ zierte und von Andy Warhol stammte. Baumgärtel hatte das Motiv noch weiter auf das Wesentliche reduziert und begonnen, es neben die Eingänge von Kunst-Orten wie Museen und Galerien zu sprühen. Inzwischen sollen es über 4000 weltweit sein und Baumgärtel ist als „Der Bananensprayer“ bekannt. Einzigartig dürfte sein, dass er an Räumen, die irgendwann keine Kunst-Orte mehr sind, seine Bananen wieder „entwertet“, für ungültig erklärt (siehe Foto oben).

Natürlich war man in den ersten Jahren not amused über die Graffiti des unbekannten Künstlers an Hauswänden. Das Sprayen an anderer Leute Eigentum ist zwar nach wie vor illegal, wurde vor 30 Jahren aber stärker geahndet. Im Fall der Baumgärtel-Banane waren Galerien jedoch bald schon stolz auf diese „Auszeichnung“ und irgendwann galt die gelbe Frucht als Qualitätsmerkmal und Kunst-Symbol in der Szene und jeder wollte sie haben.

"Charlie" von Thomas Baumgärtel und Mural des Captain Borderline Kollektivs mit Banane

Thomas Baumgärtel ist längst in der etablierten Kunstszene angekommen, die Banane käuflich. Seine Bilder sind sind in vielen öffentlichen Sammlungen zu finden und Baumgärtel ist jedes Jahr mit zahlreichen Ausstellungen präsent. Die Banane spielt dabei immer wieder eine tragende Rolle: Es gibt Bundesbananenadler, Eurobananen, Fußballbananen, Bananen als Wandfries, die Banane am Kreuz. Aber auch der Streetart ist der Künstler nicht ganz abhanden gekommen: Als Reaktion auf den Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris vor gut einem Jahr brachte Baumgärtel seine Version eines (kölschen?) Charlie mit Bleistift und Narrenkappe als Paste-up an verschiedenen Stellen in Köln an. Im Sommer kam sein Charlie dann noch mal als Mural in Neuwied zu Ehren (siehe Blog-Beitrag vom 7. Januar).

Von Thomas Baumgärtel gesprayte Eva mit Banane statt Apfel in der Hand2011 ist im Rahmen des CityLeaks Festivals ein interessantes Mural „im Zeichen der Banane“ entstanden: In der Marzellenstraße, wenige Meter von den in den Hauptbahnhof führenden Bahngleisen entfernt, bemalte die Captain Borderline Crew in Kooperaton mit Thomas Baumgärtel eine Wand. In dem Motiv dient die Banane, die hier wieder die Kunst symbolisiert, als Rammbock zur Einnahme einer Stadt (durch diverse Bauten und die drei Kronen am Tor als Köln zu erkennen). Die Stadt hinter den Mauern hat sich den Investoren verschrieben, Räume für Künstler, wie die ehemaligen Clouth-Werke, sind der Abrissbirne preisgegeben und vor der Stadt sind schon totsanierte oder zerstörte Kunstorte begraben. Rechts unten beschießen Mitglieder von Captain Borderline Köln mit farbigen Pfeilen und einer Steinschleuder mit Sprühdose. Ein anderes Detail wird auf meinem Foto leider vom Dach der ehemaligen Tankstelle verdeckt: Links unten im Bild steht ein Künstler (Baumgärtel) mit Palette und Pinsel in der Hand.

Im Agenesviertel finden sich Adam und Eva auf einer Hauswand. Der Sündenfall hat hier nichts mit einem Apfel zu tun; Eva hält natürlich eine gelbe Frucht in der Hand (kleines Foto). Ein weiteres Wandgemälde des Bananensprayers (zweites kleines Foto) befindet sich etwas versteckt an der Alten Mauer am Bach (Griechenmarktviertel). Hier gibt es Reste der römischen Stadtmauer ebenso wie ein Bild, in dem sich aus Hunderten oder gar Tausenden von Bananen ein Dom-Bild in Froschperspektive ergibt. Leider bleibt es nicht von unschönen Schmierereien verschont.

Von Thomas Baumgärtel mit Bananen-Dom-Motiv besprayte Wand in KölnZum 30-jährigen Jubiläum der Sprüh-Banane 2016 widmet das Osthaus-Museum in Hagen Thomas Baumgärtel eine Sonderausstellung. Sie beginnt am 30. September.

 

-> Die kleinen Abbildungen können durch Anklicken größer dargestellt werden.