Allerlei Getier

8. Januar 2016 at 17:08

Ein Stück der bemalten Kölner Zoo-Mauer mit Graffiti von Tasso

Tiermotive sind in der Streetart sehr beliebt. Kann man mit ihnen doch hohe Aufmerksamkeit erzielen, sie niedlich oder abstoßend darstellen, naturalistisch oder verfremdet. Und nicht zuletzt kommt hier die gute alte Fabel ins Spiel, über die man Botschaften leicht verklausuliert dem Zuhörer wie dem Bild-Betrachter nahe bringen kann.
Ein Stück der bemalten Kölner Zoo-Mauer mit Graffiti von Big Birne
In Köln zeigen viele Murals beeindruckende Tiermotive von hoher künstlerischer Qualität. Es sind so viele, dass ich zu gegebener Zeit sicher mal einen zweiten, dritten, vierten Blog-Eintrag dazu machen werde. Hier also eine erste kleine Auswahl:

1+2: Es ist kein Wunder, dass die Mauer, die den Zoo im Stadtteil Riehl östlich begrenzt, eine eigene Homepage hat. Im April 2011 wurde sie auf einer Länge von 310 Metern mit 20 verschiedenen Motiven bemalt; zum einen, weil das eine prima Werbung für den Zoo ist und zum anderen, weil hier wie andernorts das Problem mit ständig unschön beschmierten Wänden bestand. Die Künstler, die aus 60 Bewerbern ausgewählt wurden, sind hochkarätige Graffiti-Sprayer und -Crews. Und auch die Mittwochsmaler, ein Jugendprojekt, das sich seit vielen Jahren um junge Graffiti-Künstler kümmert, Workshops abhält und legale Flächen zur Gestaltung organisiert, bemalten ein großes Stück der Wand. Alle Motive auf der Zoomauer widmen sich dem Themengebiet „Zoo“. Das Mädchen mit der pinken Brille und den vielen exotischen Tieren stammt vom Graffiti-Künstler TASSO (Jens Müller) aus dem sächsischen Meerane, die partybegeisterten animalischen Hip-Hopper in der Stretch-Limo von Big Birne (Dominik Hebestreit) aus Wuppertal.

Bemalte Hauswand in Köln-Ehrenfeld von goodlack art3: Im bunten Wandgemälde von goodlack art, das 2011 in Ehrenfeld entstand, durchbrechen wilde (oder wild gewordene?) Tiere eine kommerzielle Werbe-Plakatwand mit Zahn-gebleachtem Werbemodel. Witziges Detail ist der „Stoert“-Schriftzug links über dem Plakat, der nicht nur zufällig an den Außenwerbe-Giganten „Stroer“ erinnert. Das Farbe verspritzende Mammut wird geritten von einem die Sprühdose bereit haltenden Cowboy und einen gehörnten, barfüßigen Fantasiewesen.

Alle Beteilgten haben sich auf der Wand verewigt: goodlack (John Iven und Ron Voigt) aus Leichlingen sind die ausführenden Künstler, unterstützt von der Kölner Captain Borderline-Crew, einer überaus produktiven Künstler-Gruppe, die besonders viele Wände im Stadtgebiet bemalt und in ihren Bildern oft politische Statements hinterlassen hat. Und schließlich ist auf den Fähnchen zwischen den Stoßzähnen des Mammuts noch der Auftraggeber genannt: Der gemeinnützige Kunstverein Colorrevolution (Köln/Chemnitz), zu dessen Vorstand die beiden goodlack-Künstler zählen.

Mit Jaguar-Motiv bemalte Hauswand in der Gutenbergstraße, Köln-NeuehrenfeldWandgemälde von herakut am Bürgerzentrum Köln-Ehrenfeld4: Den überdimensionale Jaguar auf der Wand dem Spielplatz in der Gutenbergstraße kennen nur wenige Kölner. Selbst unter den Streetart-Begeisterten sind es vermutlich nicht allzu viele. Es gibt im Netz kaum Abbildungen und ich habe überhaupt keine Informationen dazu finden können, weder über Urheber noch über Alter des Wandgemäldes. Es scheint allerdings schon einige Jahre dort zu bestehen, denn als es gemalt wurde, war sicherlich der Busch rechts noch sehr klein.

Schade, dass diese imposante Wand nicht von Tagging und Graffiti verschont wird.

5: Dieses Wandbild, das mit dem CityLeaks-Festival 2011 auf die Wand des Bürgerzentrums Ehrenfeld (BüZe) kam, zählt nach wie vor zu meinen absoluten Favoriten. Das Thüringer Künstlerduo herakut, bestehend aus Jasmin Saddiqui (Hera) und Falk Lehman (Akut) gestaltet schon seit 12 Jahren große Wände und ist auch international gefragt.

„Ohne dich würde ich mich nich trauen“ heißt es auf dem Wandgemälde mit dem etwas schüchtern dreinschauenden Mädchen mit dem Bulldoggen-Wesen auf dem Arm. Hier wurde auf einen hellen Hintergrund verzichtet, das Gemälde wurde direkt auf die trist-graue Wand aufgebracht. Zusammen mit dem ungewöhnlich beeindruckenden Motiv scheint es komplett aus der Zeit gefallen.

-> Die kleinen Abbildungen können durch Anklicken größer dargestellt werden.

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