mittenimwald mitten in Köln

31. Dezember 2015 at 18:09

Die Kölner Galerie 30works, die Bilder von Streetart-Heroen wie Banksy, „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel bis Decycle ausstellt (und verkauft) und beste Kontakte zu Pop-Art-Künstlern pflegt, präsentiert noch bis zum 5.1. den Hamburger Künstler mittenimwald. Seine Werkreihe „sushi connection“ ist, wie der Titel vermuten lässt, stark asiatisch inspiriert.

Auf dem Blog von mittenimwald findet man übrigens eine lange Link-Liste zu internationalen Urban Artists.

Fliesenleger gesucht

30. Dezember 2015 at 22:10

Vier Beispiele von in der Streetart-Szene beliebten Kacheln aus Köln

In einer Stadt wie Köln, wo es nach dem Krieg – warum auch immer – Mode war, Hausfassaden komplett zu kacheln, fallen ein paar Fliesen mehr oder weniger kaum auf. Sollte man meinen. Tun sie aber doch, wenn sie künstlerisch bearbeitet wurden.

Handelsübliche Kacheln sind ein in der Streetart beliebtes Medium, kann man sie doch im heimischen Atelier in aller Ruhe vorbereiten und sie dann in einer Nacht- und Nebel-Aktion leicht und schnell anbringen. Außerdem sind die bemalten, in Stencil-Technik besprayten oder auch via Siebdruck hergestellten quadratischen Kunstwerke wetterbeständiger als Paste-ups und fallen in der Regel nicht ganz so schnell dem Vandalismus zum Opfer wie andere aufgeklebte Werke.

In Köln findet man eine unglaubliche Vielzahl von künstlerisch gestalteten Kacheln verschiedener Street Artists. Wenn sie nicht signiert sind, bleibt der Urheber dem Berachter leider unbekannt. Ich zeige hier ein paar Beispiele von Kacheln, die ich in der letzten Zeit gefunden habe. Obere Reihe (v.l.n.r): Lütticher Straße, Doppelkachel an der SSK Liebigstraße, Ketauu an der Mülheimer Brücke, Uferpromenade Mülheim. Untere Reihe: Jesus-Motiv an der Brüsseler Straße, kaputte Kachel in der Moltkestraße, xxxhibition in der Moltkestraße.

Drei Beispiele von in der Streetart-Szene beliebten Kacheln aus Köln

Im Belgischen Viertel findet man eine regelrechte Flut von Kacheln und kleinen aufgeklebten dreidimensionalen Objekte von xxxhibition, eines Streetart-Pioniers aus Köln. Die meisten sind schon älter und oft schon halb zerstört. Wer sie aber trotzdem aufspüren möchte: Einfach mal auf Fußknöchel-Höhe die Hausfassaden anschauen! Da wird man besonders oft fündig.

Über den unbestreitbaren Meister der Fliesenleger unter den urbanen Künstlern, Invader, werde ich in einem weiteren Blog-Beitrag in der nächsten Zeit berichten.

Auf den Hund gekommen

29. Dezember 2015 at 15:13

Streetart - Erkenntnisse. Drei Beispiele aus Köln.

Selbst Streetart bestätigt all die Klischees, die man über Köln und „den Kölner an sich“ im Kopf hat: Dass er nämlich in all seiner Geschwätzigkeit immer und überall ungefragt jedem Mitmenschen seine Erkenntnisse mitteilt. Anders gesagt: Streetart ist das perfekte Medium für Köln.

Die ältere Generation teilt sich noch ganz klassisch an der Supermarktkasse oder im Wartezimmer beim Arzt dem Fremden mit. Was nicht unklug ist, kann der, dem die Erkenntnisse zuteil werden sollen, doch kaum entrinnen. Die jüngere Generation versucht’s auf Hauswänden und Blumenküblen. Wobei ich die Weisheit „Never buy a dog with your girlfriend“ besonders putzig finde: Auf ein stabiles Material geschrieben und dann wind-, wasser- und wettertauglich mit durchsichtigem Klebeband verpackt, spricht es auch den internationalen Gast der Stadt an. Eine hübsche, die Fantasie anregende Aussage. Vermutlich gibt’s statt des erwünschten Kampfhundes „Satan Drei“ jetzt einen Mops namens „Blümchen“ auf dem gemeinsamen Sofa.

Gesehen (v.l.n.r.) in der Vogelsanger Straße, Benesisstraße, Komödienstraße.

Sei Leise: Der Saubermann

26. Dezember 2015 at 20:38

Reverse Graffiti von seiLeise in Köln-Mülheim

Die geschwungene Signatur von „Sei Leise“ ist eine der häufigsten, die man in Köln unter Streetart-Werken findet. Dabei ist Tim Ossege, der 1984 geborene Grafik-Künstler, der sich dahinter verbirgt*, nicht nur einer der besonders produktiven, sondern auch der vermutlich vielfältigste. Von „Sei Leise“ kennt man Stencils, Paste-ups in Schwarz-Weiß (und ganz frisch auch in Farbe, wie zum Beispiel an den rechtsrheinischen Pfeilern der Mülheimer Brücke) sowie Reverse Graffiti.

Die Technik des „Reverse Graffiti“, des Kunst-Putzens, habe ich auf der Terminologie-Unterseite beschrieben. Ein gutes Video, das Tim Ossege bei der Arbeit zeigt, kann man sich auf youtube ansehen.

Besonders zu schätzen weiß ich, dass Tim Ossege seine über die Stadt verteilten Werke akribisch genau in einer google map verzeichnet. Das macht das Auffinden leicht. Bemooste und verdreckte Wände gibt es bekanntlich genug, da ist noch viel Potenzial für weiteres Reverse Graffiti … Die in diesem Beitrag gezeigten Beispiele habe ich in Köln-Mülheim (Auenweg) und im Rheinauhafen fotografiert.

Reverse Graffiti von seiLeise im Rheinauhafen, Köln

*Street Artists arbeiten und signieren meist unter Pseudonymen und Kürzeln, vor allem weil der Grad zwischen legalen und illegalen Aktionen schmal ist. Ich würde in diesem Blog keine Identität preisgeben, die der Künstler geheim halten möchte.

Wat fott es, es fott

23. Dezember 2015 at 18:30

Wandgemälde von Hendrik "ECB" Beikirch in der Dasselstraße, Köln

Dass Streetart eine vergängliche Kunst ist, ist eigentlich klar. Trotzdem bedauert man den Verlust von besonderen Werken. Leider trifft es auch die ganz großen Werke, die Murals. Die sind zwar mit Erlaubnis oder sogar im Auftrag der Hauseigentümer entstanden, haben aber teils erschreckend geringe Halbwertzeiten. Plötzlich steht ein Gerüst am Haus und wenn es wieder weg ist, ist auch das Wandgemälde verschwunden.

Wandgemälde von Aya Tarek in der Follerstraße, KölnSo kürzlich geschehen in der Follerstraße (Südstadt, kleines Foto), wo seit Oktober 2013 ein farbenfrohes Werk der ägyptischen Künstlerin Aya Tarek (*1989) zu bewundern war. Die in Alexandria lebende Malerin wird weltweit eingeladen, ihre Kunst zu zeigen. In Köln schuf sie inmitten der eher tristen Umgebung mit langweiliger 60-er-Jahre-Architektur dieses riesige Porträt eines jungen Mannes, der sich in exotische Gefilde träumt.

Sukzessive verschwunden bzw. dem Blick des Betrachters entzogen ist/wurde auch das Wandgemälde in der Dasselstraße (Bilder oben) von Hendrik Beikirch (alias ECB). Der 1974 geborene und in Koblenz lebende Künstler bemalt in der ganzen Welt groß- bis größtflächige Wände mit eindrucks- und ausdrucksvollen Porträts meist älterer Herren. In Südkorea schuf Beikirch beispielsweise mit 70 Metern Höhe Asiens größtes Wandbild. In der Kölner Dasselstraße war es ein Obdachloser aus der South Street in New York, den er 2013 hier abgebildet hat. Lange schaute der bemützte alte Mann auf ein Stückchen Brachland direkt am Bahndamm des Südbahnhofs, bis in den letzten Monaten hier ein neuer Wohnblock entstand und Beikirchs Werk sozusagen eingemauert wurde. Archäologen werden es vermutlich in einigen Hundert Jahren vielleicht wiederentdecken.

In Köln ist Hendrik Beikirch seit 2014 noch mit einem weiteren Wandgemälde vertreten: Die Seitenwand der Halle von Jack-in-the-Box in Ehrenfeld ziert sein Porträt „schwarzzugrau“, das zum Photography Playground der Firma Olympus, der im letzten Jahr in Köln Station machte, entstand.

Die einen sagen so, die anderen so

22. Dezember 2015 at 13:29

Besprayte Wand in der Rheingasse Köln: "A clean wall is a sad wall"

Gesehen in der Rheingasse.

Von der klassischen Malerei zur Streetart

21. Dezember 2015 at 18:14

2 Paste-ups von "Marie" Birte Marie Kube, gefunden im Schanzenviertel Köln-Mülheim

Die beiden mit „Marie“ unterzeichneten Paste-ups, die im Köln-Mülheimer Schanzenviertel kleben (Fotos oben), fielen mir gleich ins Auge. Und dann entdeckte ich zufällg letzte Woche noch die bemalte Wand im Biergarten des Kulturbunkers. Die kräftigen, leuchtenden Farben erhellten gleich den ansonsten trüben und nassgrauen Tag.

Wandgemälde von "Marie" Birte Marie Kube am Kulturbunker Mülheim„Marie“, das ist Birte Marie Kube, die an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und zunächst ganz klassisch mit Ölfarben gemalt hat. Inzwischen ist sie neben ihrer eigenen künstlerischen Tätigkeit Lehrerin für Englisch und Kunst an einem Gymnasium. Zweierlei kann sie nicht leugnen: Ihre Farbenliebe und ihre Liebe zur Modefotografie. Die von Graffiti inspirierten und in Stencil-Technik hergestellten Bilder haben keine Message, sagt sie. Außer vielleicht, die Welt ein bisschen schöner und bunter zu machen.

Die Arbeiten von Birte Marie Kube sind im Netz bestens präsentiert, u.a. auf Instagram und der eigenen Homepage.

Geheimnisvolle Tür

19. Dezember 2015 at 15:47

Mit Tags und Stickern versehene Fassade mit Tür an der Maastrichter Straße, Köln, von 2010 bis 2013.

20 Jahre lang verbarg sich hinter dieser Türe im Belgischen Viertel, im Keller eines Wohnhauses, der Musikclub Stecken. Der stand für ranzigen Charme, guten Jazz und Funk. Das wussten nur Eingeweihte, denn ein Schild oder einen Hinweis gab es am ganzen Haus nicht. Proppevoll war es an Wochenenden trotzdem immer.

Mich scheint die über und über mit Tags und Stickern versehene Fassade über einen langen Zeitraum sehr fasziniert zu haben. Denn ich habe sie immer wieder fotografiert. Hier wurden die Schmierereien zum Gesamtkunstwerk.

Das Stecken ist Geschichte. Wie schon so viele andere Kölner Clubs vor ihm wurde er Opfer der Gentrifizierung. Inzwischen wurde das Haus luxussaniert.

Kalender-Strick

19. Dezember 2015 at 15:27

Komplett bestricktes oder behäkeltes Fahrrad in Lüneburg. Foto: Martina BuschDen (nach meiner Recherche) einzigen Kalender für 2016 zum Thema „Urban Knitting“ hat Martina Busch herausgebracht. Als Print-On-Demand-Variante ist er über Kalenderhaus in verschiedenen Größen bestellbar.

Der Kalender enthält ausgewählte Strick-Fotos aus Lüneburg. Lüneburg? Ja, Lüneburg. Warum gerade diese Stadt, wollte ich von Martina Busch wissen. Gibt es dort besonders viele oder besonders schöne Beispiele für das Guerilla-Stricken? Sie klärte mich auf: In der deutschen Telenovela „Rote Rosen“ (ARD), die in Lüneburg spielt und wo auch die Außenaufnahmen gedreht werden, wurde das Guerilla-Stricken im letzten Jahr thematisiert. Danach tauchten immer mehr sehenswerte textile Ummantelungen in der kleinen Hansestadt nahe Hamburg auf, wie zum Beispiel das links abgebildete Fahrrad (Foto: Martina Busch).

Übrigens: Als Erfinderin des Guerilla-Strickens bzw. des „Yarn Bombing“, wie der Amerikaner es nennt, gilt die Texanerin Magda Sayeg, die seit 2005 alle möglichen und unmöglichen Objekte bestrickt und dafür mittlerweile weltweit unterwegs ist. Wunderbare Beispielsammlungen finden sich auf ihrer Homepage und in ihrem „Knitta“-Blog.

Art4Water

17. Dezember 2015 at 19:47

Großflächiges Wandemälde am Grünen Weg in Köln-Ehrenfeld zum Thema "Sauberes Trinkwasser für alle".

2013 schufen Adrian Savulescu, Kayo Kracho, Martin Scholz & Steffen Z. Wolf für die Kölner Sektion von Viva con Agua dieses beeindruckende Wandgemälde am Grünen Weg in Ehrenfeld mit dem Hinweis „Kein Spaß ohne Wasser“. Die Organisation Viva con Agua setzt sich weltweit für sauberes Trinkwasser ein.