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Claudio Ethos in Köln und Düsseldorf

13. September 2017 at 20:59

Huch?! Da habe ich kürzlich doch zufällig den brasilianischen Künstler Claudio Ethos beim Sprayen auf dem Helios-Gelände in Köln-Ehrenfeld gespottet. Wenige Tage später hatte ich die Gelegenheit, das fertige Werk noch einmal zu bewundern.

Claudio Ethos beim Sprayen in Köln Mural von Claudio Ethos auf dem Kölner Helios-Gelände

Die Düsseldorfer Galerie Pretty Portal eröffnet übermorgen die erste Soloshow auf deutschem Boden des 1982 in São Paulo geborenen Urban Artists. Ethos stellte schon weltweit aus und hat an vielen Orten beeindruckende Wandbilder hinterlassen. Ein sehr bekanntes findet sich übrigens im Dortmunder Unionviertel.

Claudio Ethos 
“Deadmocracy“
Galerie Pretty Portal
Brunnenstr. 12
40223 Düsseldorf
Vernissage 15.9.2017, 19-22 Uhr
Ausstellung 15.9.–20.10.2017, Mo.–Fr. 11–19 Uhr

Ausstellungen im September: Hingehen!

3. September 2017 at 14:59

In Köln laufen zur Zeit mehrere Ausstellungen rund um Streetart und Urban Art prallel:

Noch bis zum 17. September ist im Atelierzentrum Ehrenfeld die diesjährige Straßengold-Ausstellung zu sehen. Die Kunst von der Straße gilt es hier (wieder-) zu entdecken. Wer mag, kann hier auch Werke erwerben.

Im Bunker k101, ebenfalls in Ehrenfeld, zeigt Fotograf Ingo Trapphagen seine Bilder zum Thema „Urban Voyeur“ und das Kunstkollektiv „Tape That!“ hat nicht nur den Bunker von außen mit Tape-Kunst, also Klebeband, verschönert, sondern zeigt innen im wechselnden Lichtspiel faszinierende Tape-Werke auf den Wänden (siehe auch Video oben).

Foto von Ingo Trapphagen im Ambiente des Bunker k101

Foto von Ingo Trapphagen im Ambiente des Bunker k101

Die drei Ausstellungen finden im Rahmen des TransUrban-Festivals statt, das ein vielseitiges Kunst- und Kulturprogramm in die sechs Projektstädte Dortmund, Essen, Düsseldorf, Köln, Hagen und Bochum gebracht hat bzw. noch immer bringt.

In der Pfeilstraße in der Innenstadt hat die auf Streetart, Urban Art und Pop Art spezialisierte Galerie 30works aus dem Belgischen Viertel vor einigen Monaten eine Dependence eröffnet. Sie zeigt seit gestern den in Hagen ansässigen Artist Martin Bender mit „Magnificent Faces“. Über Bender, der in Köln auch schon Murals gemalt hat, habe ich hier schon mehrfach berichtet.

Im Stammhaus von 30works  in der Antwerpener Straße gibt es derzeit mit dem Trio Innerfields ebenfalls renommierte Street Artists zu sehen. Parallel wird von Innerfields im Rahmen des CityLeaks-Festivals gerade ein Mural auf einem Parkplatz in Köln-Nippes bemalt. Auf dem gleichen Areal hat vor wenigen Tagen Agostino Iacurci mit Unterstützung der Galerie Die Kunstagentin sein Mural „Topfpflanze“ fertiggestellt.

Work in Progress: Ein Mural von Innerfields entsteht in Köln-Nippes

Work in Progress: Ein Mural von Innerfields entsteht in Köln-Nippes

Go West, nach Ehrenfeld!

26. August 2017 at 17:25

Was Urban Art angeht, ist Köln-Ehrefeld gerade der heißeste Hotspot des Landes, denn das TransUrban-Festival ist angekommen in der Stadt und hat mit Straßengold und CityLeaks starke Mitstreiter.

Gerade wird noch fleißig an neuen Murals gemalt und gesprüht, da findet auf dem Heliosplatz, dem baldigen Abrissgelände zwischen Underground, Industriebrachen und Graffiti-Wänden im Schatten des Ehrenfelder Wahrzeichens, des Helios-Turmes, die Opening Party mit tollen Programm, Srüh-Aktionen, Lichtkunst, DJs etc. statt. In der Halle der Heliosstraße 37 startet dann auch die Gruppenausstellung YAKMOZ. Ein erster Blick während des Aufbaus war schon sehr vielversprechend. Das Programm geht heute bis in die Nacht.

Blick in die Gruppenausstellung YAKMOZ

Blick in die Gruppenausstellung YAKMOZ

Einige westliche Ecken weiter im gleichen Stadtteil eröffnete gestern Abend die diesjährige Straßengold-Ausstellung, in der zahlreiche Street Artists und Streetart-Fotografen ihre Werke präsentieren und zum Kauf anbieten. Und es ist wieder einmal eine großartig gelungene Sache geworden, die Tim Ossege mit seinen Mitstreitern da auf die Beine gestellt hat. Die Liste der Ausstellenden ist sehr lang, daher greife ich hier nur einen heraus: Robi the Dog. Der im letzten Jahr verstorbene Künstler aus der Schweiz wird mit einigen Werken noch einmal gebührend gewürdigt.

Teil der Straßengold-Ausstellung 2017 im Atelierzentrum Ehrenfeld

Teil der Straßengold-Ausstellung 2017 im Atelierzentrum Ehrenfeld

Dumb in der Straßengold-Ausstellung 2017 im Atelierzentrum Ehrenfeld

Dumb in der Straßengold-Ausstellung 2017

Parallel zur Straßengold-Ausstellung haben sich in den letzten Tagen qualitativ sehr hochwertige Paste-ups in mehreren Kölner Stadtteilen explosionsartig vermehrt. Haltet mal die Augen auf!

Im Bunker k101 beginnt heute die Fotoausstellung „Urban Voyer“ von Ingo Trapphagen. Und auch die gleichzeitig dort startende „Tape Art Exhibition – Tape That“ verspricht großartige Kunst.

AEC Interesni Kazki bei der Arbeit: Entstehendes Mural an der Vogelsanger Straße in Ehrenfeld

AEC Interesni Kazki bei der Arbeit: Entstehendes Mural an der Vogelsanger Straße

AEC Interesni Kazki (Aleksei Bordusov) konnte ich bereits gestern Abend auf dem Hubwagen stehend bei der Arbeit am neuen Mural an der Vogelsanger Straße beobachten, als wir mit Hunderten anderer Fahrradfahrer im Rahmen der monatlich stattfindenden Fahrraddemo „Critical Mass“ vorbeiradelten. Heute war das Wandbild des Ukrainers schon ein wenig weiter fortgeschritten, aber noch lange nicht fertig. Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis und werde es später in diesem Blog vorstellen.

Street Artists JuMu, Isakov und Krashkid bei der Arbeit in Köln

Street Artists JuMu, Isakov und Krashkid bei der Arbeit

Alexander Isakov bei der Arbeit an einem neuen Wandbild in Köln

Alexander Isakov bei der Arbeit an einem neuen Wandbild in Köln

Alexander Isakov bei der Arbeit an einem neuen Wandbild in KölnAuch drei neue Wandgemälde in der Heliosstraße waren noch in der Mache, als ich meine Bilder aufnahm. Drei völlig unterschiedliche Künstler mit unterschiedlichen Stilen, die übrigens vorwiegend mit dem Pinsel malen und nicht sprühen. Hier entdecke ich JuMu wieder, deren südamerikanisch geprägte Motive mir schon bei der diesjährigen Millerntor Gallery in Hamburg aufgefallen waren, und erfahre, dass die studierte Modedesignerin als freiberufliche Künstlerin in Köln lebt. Daneben steht Alexander Isakov aus Hannover und malt Stunde um Stunde mit Hilfe eines großen Lineals seine faszinierenden grafischen Motive an die Wand, die von Weitem aussehen wie mit einem überdimensionalen Kugelschreiber auf ein riesiges Blatt Papier gemalt. Der dritte im Bunde ist Krashkid aus Hamburg, der ein Wandbild in seinem typischen flächigen Illustrations-Stil verwirklicht. Die drei bilden zusammen ein Künstlerkollektiv.

Paste-up von Zoon am Eingang zum Heliosgelände Ehrenfeld

Paste-up von Zoon am Eingang zum Heliosgelände

In den kommenden Tagen werde ich noch einige Fotos von interessanten neuen Streetart-Pieces nachreichen. Und am 1. September startet dann auch noch das diesjährige CityLeaks-Festival, diesmal mit Schwerpunkt rund um den Ebertplatz. Da gibt es bestimmt auch noch eine Menge zu berichten …

Kölner Köpfe 2.0

20. August 2017 at 18:34

Im Agnesviertel, einem der schöneren Viertel von Köln, wurden jüngst einige „V.I.P.s“  auf einer Hauswand und den zum Haus gehörenden Garagentoren verewigt. Wir sehen hier die Musiker Tommy Engel und Wolfgang Niedecken (BAP) vereint und die verstorbenen kölschen TV- und Bühnenstars Willy Millowitsch, Trude Herr und Dirk Bach. Und wir könnten sehen – wenn das Auto nicht davor stehen würde: Das Kölner „Tatort“-Duo Ballauf und Schenk alias Klaus J. Behrend und Dietmar Bär (beide übrigens keine Kölner) und Gabi Köster.

Garagentor-Bemalung von Ole Derkin in Köln: Willy Millowitsch, Trude Herr, Dirk Bach Garagentor-Bemalung von Ole Derkin in Köln: Kölner Tatort, Gaby Köster Garagentor-Bemalung von Ole Derkin in Köln: Tommy Engel und Wolfgang Niedecken

Oberhalb vom grünen Willy hat der Sprayer selbstbewusst seinen Namen hinterlassen: Ole Derkin. Über ihn weiß das Netz nichts zu berichten, außer dass er auf dem Stand.art-Kunstmarkt 2016 Mischtechniken und Siebdrucke ausgestellt hat. Aber immerhin findet man weitere seiner Bilder bei Instagram.

Stencils im Kölner U-Bahnhof Apellhofplatz von 1990Ob sich Derkin in der U-Bahn-Station Apellhofplatz in der Kölner City hat inspirieren lassen? Dort gibt es eine große Anzahl von sich in Farbvariationen wiederholenden, per Stencil sehr exakt gesprühten Porträts. Ein angebrachtes Schild weist sie als „Kölner Köpfe“ aus. Wahrscheinlich übersieht man sie längst, weil sie seit sage und schreibe 27 Jahren(!) die Betonpfeiler verschönern. Damit sind sie mit Sicherheit die ältesten noch vorhandenen Stencil- bzw. Pochoir-Zeugnisse in der Stadt!

Unsere ehemalige Dombaumeisterin, die gottlob unruhige Ruheständlerin Barbara Schock-Werner, hat in einem Zeitungsartikel über Kölner U-Bahnhöfe den Stencils am Apellhofplatz nachgespürt. Wie sie schreibt, ist es schwer, heute noch Informationen über die alten Bilder zu finden. In einem liegt sie aber falsch: Tabot Velud ist nicht der Name des Künstlers der „Kölner Köpfe“, sondern nach meinen Recherchen der einer Künstlergruppe. Initiatoren der Stencils waren zwei Mitglieder dieser Gruppe, beide damals Studenten in Köln.

Wahrscheinlich waren die „Kölner Köpfe“ der ersten Generation gar nicht alle prominent. Vielleicht haben sich die Künstler hier auch selbst verewigt. Vielleicht sind einige „Köpfe“ aber auch einfach in Vergessenheit geraten. Jedenfalls kann ich nicht alle Gesichter zuordnen. Deutlich erkennbar sind mir TV-Mann Alfred Biolek, Musiker Jürgen Zeltinger, Fußballer Pierre Littbarski und Sammler Hermann Götting, alle im Erscheinungsbild von 1990. Und natürlich war Willy Millowitsch damals auch schon dabei.

Stencils im Kölner U-Bahnhof Apellhofplatz von 1990

Stencils im Kölner U-Bahnhof Apellhofplatz von 1990

 

Stencils im Kölner U-Bahnhof Apellhofplatz von 1990

Streetart-Hotspot Unionviertel Dortmund

17. Juli 2017 at 22:25
Mural von The London Police (UK/NL) in Dortmund

Mural von The London Police (UK/NL)

Dortmund, größte Stadt des Ruhrgebiets. Fußball, Bier, Industriekultur. Arbeitslosigkeit, Armut. Dass Dortmund aber auch ein Hotspot der urbanen Kunst ist, wissen nur wenige. Noch dazu konzentriert sich eine erstklassige und vielfältige Ansammlung von Murals, Stencils, Graffiti & Co. in einem einzigen Viertel: dem Unionviertel, benannt nach der ehemaligen Union-Brauerei, von der nur noch der sieben Stockwerke umfassende und 70 Meter hohe ehemalige Gär- und Lagerkeller mit dem weithin sichtbaren riesigen „U“ auf dem Dach steht. Heute ist das „U“ Kunst- und Kulturzentrum, Partyort, Videospielfläche für Adolf Winkelmann, Museum, Beachclub und Millionengrab. Das angrenzende Viertel hatte lange einen schlechten Ruf und war so weit runtergekommen, dass es sich bis heute noch nicht erholt hat. Die niedrigen Mieten bringen seit einiger Zeit allerdings viele junge Menschen und Kreative ins Viertel, das sich langsam wandelt.

Am Eingang zum Unionviertel von der Innenstadt aus gesehen befindet sich die 44309 Street//Art Gallery, die viel zur Verschönerung der umliegenden Straßen beiträgt. Zwar ist hier nicht gerade die zahlungskräftige Kundschaft für zeitgenössische Kunst zu Hause (man verkauft eher an auswärtige Kunden), aber die teils renommierten Künstler, die hier ausstellen (viele kommen aus dem Urban-Art-Umfeld) werden eingeladen, im Unionviertel Kunst im öffentlichen Raum zu hinterlassen. Künstler und Crews aus aller Welt haben bereits Hauswände im Unionviertel bemalt. Nicht alle Wandgemälde im Viertel wurden von der Galerie in Auftrag gegeben, und daher umfasst ein Lageplan, der vor Ort gerne zur Verfügung gestellt wird, nur die „eigenen“ Wände, aber man kann das Viertel gut in wenigen Stunden ablaufen und entdeckt so mehr oder weniger zufällig auch die anderen Gemälde. Hier und da muss man sich dazu in fragwürdige Hinterhöfe wagen oder auf das Gelände einer alten Schule, aber es lohnt sich. Die alte Schule in der Adlerstraße war bis vor kurzem Flüchtlingsunterkunft und man musste erst beim Sicherheitsdienst fragen, ob man auf das Gelände kann. Inzwischen wurde die Unterkunft mangels Bedarf geschlossen und die großartigen farbenfrohen Gemälde von Telmo & Miel (Niederlande) und L7m (Brasilien) müssten wieder frei zugänglich sein.

In der Adlerstraße findet sich auch das Wandgemälde des polnischen Duos Sepe & Chazme, das in großartiger Weise mit den umliegenden grauen Gebäuden „spielt“. Sepe & Chazme verdanken wir in Köln ebenfalls zwei beeindruckende Murals: eines im belgischen Viertel und das andere in Ehrenfeld.

Eine besondere Beziehung pflegt man im Unionviertel zur französischen Stencil-Legende Blek le Rat (Xavier Prou), seit dessen Sohn Alexandre in der 44309 Street//Art Gallery ein Praktikum absolvierte. Und so kann man im direkten Umfeld der Galerie zwei lebensgroße Stencil-Figuren von Blek le Rat finden. Aber auch MAD C war da, L7 m ist gleich mit zwei Wänden vertreten, Alice Pasquini mit dreien. Leider habe auch ich keine Gesamt-Übersicht über die bemalten Wände, ich habe bei meinen bislang zwei Wanderungen durch’s Viertel noch nicht alles gesehen. Aber eine Auswahl meiner Entdeckungen packe ich in eine umfangreiche Bildergalerie unter diesen Beitrag. Sie zeigt sehr gut die große Vielfalt und Bandbreite zwischen Kunst, Kunsthandwerk und Fingerübung, die man im Unionviertel finden kann und bildet nicht nur die großen Murals ab, sondern auch kleine Fundstücke wie Kacheln und Stromkästen. Wie immer gilt: Streetart ist für den Moment und nicht unbedingt von ewiger Dauer.

Mural von Belin (Spanien) im Dortmunder Unionviertel

Mural von Belin (Spanien)

Stencil von Blek le Rat (Frankreich) im Dortmunder Unionviertel

Stencil von Blek le Rat (Frankreich)

Mural von Sepe & Chazme (Polen) im Dortmunder Unionviertel

Mural von Sepe & Chazme (Polen)

Mural von Mark Gmehling HYPE im Dortmunder Unionviertel

Mural von Mark Gmehling (Dortmund): HYPE

Teilansicht Mural von Claudia Ethos (Brasilien) im Dortmunder Unionviertel

Teilansicht eines Wandgemäldes von Claudia Ethos (Brasilien)

 

Transurban 2017

16. Juli 2017 at 12:04

Das Transurban-Festival | Urban Art in NRW ist in vollem Gange. Dortmund bildete den Anfang, Essen, Düsseldorf, Köln, Hagen und Bochum folgen mit Programm rund um das Thema Urban Art. Das Festival versteht sich als Plattform zur Vernetzung der Szene, will die urbane Kunst aber auch im Bewusstsein der Stadt-Bewohner und Besucher verankern. Im Rahmen des Festivals entstehen neue Murals, es gibt Führungen, Ausstellungen, Workshops und Gespräche.

Nach Köln kommt das Festival vom 26. August bis 14. September; fast alle Aktionen finden in Ehrenfeld statt. Mit dabei ist auch Straßengold mit einer neuen Gemeinschaftsausstellung vieler Street Artists im Atelierzentrum Ehrenfeld, während in der Galerie Kunst&So fotografierte Streetart präsentiert wird. Außerdem kann man bei der Entstehung zweier neuer Murals zusehen: AEC Interesni Kazki (Aleksei Bordusov) aus Kiev malt ab 26.8. an der Vogelsanger Straße 193 in Ehrenfeld, Elian Chali aus Argentinien ab 2.9. am Clevischen Ring 178 in Mülheim.

Das vollständige Programm aller teilnehmenden Städte findet man unter diesem Link.

Bemalte Hauswand von Alice Pasquini im Dortmunder Unionviertel

Foto oben: Mural von Alice Pasquini in Dortmund. Während einer Streetart-Tour durch’s aufblühende Union-Viertel, die die auf Urban Artists spezialisierte 44309 Street//Art Gallery veranstaltete, konnte man unter fachkundiger Führung einge der in den letzten Jahren entstandenen Murals internationaler Artists (und eines Dortmunders) entdecken. Die Galerie lädt immer wieder Künstler nicht nur zu Soloshows ein, sondern auch dazu, in Dortmund – und hier besondes im Unionviertel – Wände zu gestalten. So ist der Stadtteil im Schatten des „U“ inzwischen zu einem Hotspot für Streetart-Liebhaber geworden, das man auf eigene Faust oder anhand von Kartenmaterial, das die Galerie gerne zur Verfügung stellt, prima erkunden kann.

Bonner Lochfraß

18. Juni 2017 at 17:51

 

Graffiti im "Bonner Loch" im Juni 2017.

Wie das immer so ist: Was in den 70-er Jahren ein topschickes Bauwerk war oder zumindest so gemeint, galt 20 Jahre später als Bausünde und muss nochmal 20 Jahre später dringend weg. So geht es auch dem Gebäudekomplex gegenüber des Bonner Hauptbahnhofs und dem verrufenen angrenzenden „Bonner Loch“, dem Zugang zu den U-Bahn-Linien mit Unterführung zum Bahnhof.

Ich kann mich gar nicht an eine Zeit erinnern, in der das Ganze mal „schön“ war oder in einer guten Weise „funktioniert“ hat. Der ganze Komplex war schon in meiner Jugend lediglich bekannt als Treffpunkt für Drogenszene, Obdachlose, Alkoholiker und die kleinen Läden, die ursprünglich mal Leben in die versifften unterirdischen Passagen bringen sollten, waren schon damals im besten Fall abgewrackte Pizza- oder Dönerbuden. Oft standen Ladenflächen aber einfach leer.

Derzeit läuft der Abriss auf Hochtouren. Von der Südüberbauung neben dem Busbahnhof ist fast nichts mehr übrig, das „Bonner Loch“ ist noch unangetastet von den Baggern. Bis zum Abriss ist der Platz aber immerhin ein bisschen freundlicher geworden: Ende Mai hat eine Gruppe junger Künstler der Alanus Hochschule für Kunst unter dem Titel „Bonner Luftloch“ den Platz mit Einverständnis der Stadt und Unterstützung durch einige Bonner Geschäfte künstlerisch verschönert. Das größte Werk ist dabei ein „Wasserfall“, der in einer aufgemalten Wasserfläche endet. In ihr spiegelt sich (ebenfalls aufgemalt) der blaue Himmel. Am meisten beeindruckt hat mich allerdings das Gemälde von „APHE“ (Olli Hollatz). Es zeigt eine alte Frau, die auf einer Kuckucksuhr reitet und ist vielfältig interpretierbar.

Graffito von APHE am "Bonner Loch" seit Mai 2017.

Eins noch zur Neubebauung, denn auch das ist irgendwie wie immer und überall: Es ist nicht zu erwarten, dass das Neue nachhaltiger sein wird als das Alte. Und da ich der Presse entnehme, dass ein großer Teil des neuen Baus ausgerechnet an Primark vermietet werden soll, dann weiß ich, dass die Bonner Entscheider nichts aus den Fehlern der anderen Städte gelernt haben. Aber so produziert halt jedes Jahrzehnt seine eigenen Bausünden und jede Stadt wiederholt die Fehler der anderen statt daraus zu lernen.

Urban Art im Detail im "Bonner Loch" im Juni 2016.

Einen guten Artikel zu den Graffiti am Bonner Loch findet man beim Bonner General-Anzeiger unter diesem Link.

Neu auf der Straße

4. Mai 2017 at 22:58

Frische Streetart, die mir in den letzten Tagen und Wochen in Köln auffiel:

Am Rudolfplatz war eine riesige Brezel („wrapped in plastic“) angekettet. Bäcker unbekannt.

Streetart? Riesenbrezel am Rudolfplatz

Auf dem Friesenwall gesellte sich eine wunderschöne Frida Kahlo von Oni und Metraeda zu den anderen vergänglichen Paste-ups und hartnäckigen Stickern.

Paste-up von Oni: Frida Kahlo

Am Kunstbruder gibt es mehrere neue Stencils auf der Hausfassade, unter anderem den dreifachen Prince. Dafür wurde leider die Katze von Meow überpinselt. Man kann die Mieze unter dem 2016 verstorbenen Musiker noch leicht erkennen. Gut, dass ich sie für die (vorläufige) Ewigkeit in ihrer ganzen Schönheit unter diesem Link festgehalten habe.

Stencil am Café Kunstbruder: Prince

Artists aller Länder, verewigt euch!

1. Mai 2017 at 20:25

Das Urban Art Festival in Dresden, „LackStreicheKleber“, ruft Street Artists allerorten auf, sich für die diesjährige Veranstaltung zu bewerben. 2017 geht es vor allem darum, im Stadtteil Leuben große Wände an Wohnhäusern zu gestalten. Leuben hat viele DDR-Plattenbauten, die etwas Farbe vertragen könnten …

Die Bewerbungsfrist endet am 7. Mai. Die exakten Teilnahmebedingungen lassen sich hier downloaden.

Farbenfroh und rätselhaft

1. Mai 2017 at 19:53

Bemaltes Tor in Köln von Hudson Melo

Solch farben- wie lebensfrohe und doch oft rätselhafte Streetart südamerikanischen Urpsrungs wie das von Hudson Melo (Brasilien) bemalte Tor (Foto oben) in der Händelstraße zieht mich immer magisch an. Wir haben in Köln einige schöne Beispiele dafür, u.a. das große Wandbild von INTI (Chile) auf der Vogelsanger Straße oder das von YAIKEL (ebenfalls Chile) in der Schönsteinstraße (Bilder unten).

Mural des chilenischen Künstlers INTI in Köln

Mural des chilenischen Künstlers YAIKEL in Köln (Ausschnitt)

Zur Entstehung des Murals von INTI gibt es hier ein Video.

In der Galerie des Fotografen Manoel Nunes in Köln-Lindenthal werden derzeit Werke von Hudson Melo gezeigt. Der Dreißigjährige Melo kommt aus der Streetart-Szene, die in Süd- und Mittelamerika wiederum eng mit dem früh aufgekommenen Muralismo verwachsen ist (vgl. dazu auch Terminologie). Anlässlich der Soloausstellung bei Manoel Nunes hat Melo das Tor der Firma megalab bemalt. Leider wird das Werk nicht von Dauer sein; megalab möchte die Fläche langfristig wieder für eigene Werbung nutzen.

Und auch die Ausstellung in Köln-Lindenthal ist natürlich begrenzt: Sie endet am 30. Mai.